Oberpfälzer Winterlauf Challenge Steinberg am See

10K Lauf der 6. reha team Betzlbacher Oberpfälzer Winterlauf Challenge (OWC)

Der Freizeitsportler ist an und für sich schon ein lebendiges Exponat im Museum für intrinsische Motivation, wenn er sich an Tagen mit „Wetter“ auch noch zu einem Wettkampf angemeldet hat um so mehr. Ich meine… OK, was kann man von einer Laufserie die Oberpfälzer Winterlauf Challenge heisst erwarten? Noch vor einer Woche hätte ich wohl noch geantwortet: trockene Wege, laufen in kurz/kurz und ähnliche Späßchen.

Wetter – Wetter – Wetter

1. Lauf der 6. reha team Betzlbacher Oberpfälzer Winterlauf Challenge (OWC)

Schnee…im Winter?

Wer mit so einer Einstellung zu Bett geht, dessen intrinsische Motivation ist ganz plötzlich gefragt, wenn man am Rennmorgen den Rollo öffnet und einen Schneeteppich (von ca. 1-2cm … ich geb’s ja zu) sieht.

Plötzlich quälten mich existenzielle Fragen wie: „Warum tust Du Dir das eigentlich an?“ … und „Für wen machst Du das eigentlich?“. Dem geneigten Leser muss ich hier aber wohl noch einen kleinen Exkurs in Nordbayerischer Geographie geben. Die Oberpfälzer Winterlauf Challenge findet in der Oberpfalz statt. Oberfranken und Oberpfalz teilen also das „Ober“ liegen auch noch nebeneinander, aber im Regelfall ist ebendiese nicht so einfach zu erreichen. Um an den Wettkampfort zu kommen, muss ich 110km überwinden – eigentlich ein Klacks, wenn davon große Teile nicht Landstraße wären. Somit kommt zu den oben genannten existenziellen auch noch weniger existenzielle Frage wie … „Für 10km willst Du jetzt 220km fahren?“.

Damit qualifiziert sich der Freizeitsportler im allgemeinen und der Hobbyläufer im speziellen auch noch für die Ausstellung in anderen Museen, wie z.B. den „Museum für aufkeimenden Irrsinn“ oder dem „Museum für übertriebenem Ehrgeiz“. Dank Irrsinn und Ehrgeiz habe ich aber dennoch meinen Hintern zusammengekniffen und nach dem Frühstück in die Lauftight gezwängt. Von nichts kommt nichts und immerhin habe ich auch gute Gründe gehabt mich anzumelden. Das mit den Kilometern habe ich mir auch gleich zurecht gerichtet … im Umkreis von 110km bekommt man in Oberfranken aktuell nicht viel zu laufen, schon gar keine Winterlaufserie.

10K bei der Oberpfälzer Winterlauf Challenge in Steinberg am See

Oberpfälzer Winterlauf Challenge

Sie haben Ihr Ziel erreicht

Gegen 9:00 Uhr stieg ich ins Auto und bin trotz winterscheuer Mitbürger gut voran gekommen. Die Anreise nach Steinberg am See ist denkbar einfach. Auf der Homepage ist jeder Lauf mit Adresse und Parkmöglichkeit beschrieben. Für alle drei Läufe fährt man ins Oberpfälzer Seenland, das erstklassig an der A93 erreichbar liegt. Also nahm ich Kurs auf Schwandorf, fiel aber 20km vor dem Ziel dem Rückstau hinter Schneepflügen zum Opfer.

Parkplätze waren schnell gefunden (in einer Wiese) und der Start-Ziel-Bereich war nur eine kurze Einlauf-Runde entfernt. Die Startnummer war schnell abgeholt, für die zwei folgenden Rennen kann ich mir das sparen, die Nummer gilt für Serienteilnehmer für alle drei Läufe. Die Wetterbedingungen waren vor Ort auch nicht wirklich motivationsfördernd. Alles verschneit und ein leichter Dauer-Schneeniesel haben mir als Brillenträger gleich mal das Leben schwer gemacht.

Oberpfälzer Winterlauf Challenge

Winterreifenpflicht

Wie es sich für den Winter gehört musste die richtige Winterbereifung drauf. Neben meinen Asics Gel-Lyte 33-2 hatte ich Morgens noch schnell die Salomon Sense Mantra in die Tasche geworfen – zum Glück. Ich war eindeutig nicht der einzige im Starterfeld. Neben allem möglichen was Salomon an schnellen Schuhen zu bieten hat, waren das übliche Wettkampfgeläuf und auch einiges an kernigen Trailschuhen am Start. Ich war schon leicht verunsichert, allerdings hat der Veranstalter ja Schotterwege versprochen. Eines kann ich vorwegnehmen, trotz Matsch und Schnee blieben die Füße trocken – also … richtige Entscheidung.

Meine 10KM um den Steinberger See

Start zur 6. Oberpfälzer Winterlauf Challenge
Bildquelle: (c) Wechselszene Sportpromotion

Ziemlich genau um 11:00 Uhr ging es dann auf die Runde um den See. Wobei Runde ist etwas übertrieben, die Runde um den See alleine hätte nämlich nicht gereicht, so wird eine kleine Triangel mit eingebaut um am Ende die 10km voll zu bekommen.

Das Starterfeld ist, laut Veranstalter, so groß wie noch nie. Also dauert es auch etwas, bis alle ihr Tempo bzw. ihre Platzierung gefunden haben. Die Salomon haben im Winter einen super Grip, was es mir einfacher macht auch neben dem Weg kurz zu überholen, bzw. einfach zu laufen ohne wirklich auf den Untergrund schauen zu müssen.

Ich habe vorab die Ergebnislisten von 2013 gewälzt. Bei so einem überschaubarem Starterfeld ist es für einen „hinteren Mittelfeldläufer“ wie mir natürlich schwierig eine Vielzahl an Läufern mit passender Pace zu finden. Die ersten Kilometer habe ich mich mit einem Damen-Duo nach vorne bewegt, als ich merkte das alles sehr gut lief, habe ich Tempo aufgenommen und am ersten kleinen Anstieg mein Tempo mitgenommen um weiter Plätze gut zu machen. Die Strecke war gut gekennzeichnet, auch wenn einige Markierungen auf Schnee aufgesprüht und schon etwas zusammengetreten waren.

Durch Steinberg ging es ein Stück am See entlang, bis zur „Triangel“ abgezweigt wurde. Es wurde ein Dreieck durch den Wald gelaufen, im Gegensatz zu einem Lauf um einen See kann man hier schon eher mal eine Ansteigung erwarten… und so war es dann auch. Hier zahlte sich mein bisheriges Wintertraining aus, ich wurde zwar von 3-4 Läufern überholt, konnte aber auch selbst wieder Plätze gut machen. Inzwischen hatte ich mein Tempo gefunden und lief allein eine größere Lücke nach vorne. Als es dann wieder bergab ging, nahm ich etwas Druck raus um den Puls im Griff zu halten, konnte damit aber wieder aufschließen.

Kurz bevor die Strecke wieder zurück um den See führt, kamen plötzlich zwei Läufer entgegen. Die zusammengetrampelten Markierungen waren wohl nicht mehr lesbar und keiner in Sicht, also liefen die beiden Geisterläufer wohl das Dreieck verkehrt herum.

Diesmal habe ich mir vorgenommen die Uhr soweit möglich aussen vor zu lassen. Weder die KM-Zeiten noch Splits o.ä. – Anfangs habe ich die Gesamtpace geprüft, danach lief ich einfach drauf los. Darum habe ich auch nicht bemerkt wie schnell ich teilweise geworden bin. Der 8. Kilometer ging sogar mit 4:38 durch.

Nachdem die Strecke wieder um den See zurück führt, geht es auch befestigen Wegen die letzten gut 3km zurück zum Start/Ziel-Bereich. Hier konnte ich mich zum Glück hinter einen Läufer mit der richtigen Pace hängen. Er war auch der Grund, warum ich auf dem letzten Kilometer keinen Druck mehr gemacht habe. Ich hatte das Gefühl hinter dem Läufer sicher ins Ziel zu laufen… also wollte ich ihn auch nicht mehr überholen. Und so lief ich zusammen mit Ihm ein.

Saisonstart geglückt

Und da wären wir wieder … im Museum für intrinsische Motivation. Morgens quält mich noch der Unwille und kaum rennt man mal 10 Kilometer um einen See nach 110km Autofahrt strömen die Endorphine.  Aber – das muss ich zugeben – es ist auch ein wahnsinniges Bild, wenn in der Kälte im Schnee eine Meute an 100-200 Läufern steht … dampfend, keuchend aber glücklich. Wer bei so einer Winterlauf Challenge startet hat meist konkrete Pläne. Gelegenheitsläufer gibt es da eher weniger … also treffen sich Sonntags im Januar ein Haufen Leute die wie blöd um einen See rennen und am Ende auch noch absolut glücklich grinsen. Ich sag ja, solche Museen müsste man erfinden und uns alle hinein stellen.

Immerhin ist man unter irren Gleichgesinnten, denn während im Sommer das Umfeld noch Verständnis aufbringt, ist es im Winter, bei Schnee, bei Kälte, am Sonntag, in der Entfernung etwas schwierig zu verkaufen was man so tut.

Während der Körper erstklassig mit alkoholfreiem Bier, heißem Tee und Kuchen versorgt wird, breitet sich nicht nur ein warmes Gefühl in der Magen- sondern auch in der Kopfgegend aus. Das Wissen, dass dieser Lauf wirklich gut war, auch wenn ich mich verstoppt habe. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man mit Runner’s High Auto fahren darf, der Rückweg war deutlich entspannter. So stellt man also einen Level an intrinsischer Motivation wieder her.

Letztlich war die Endorphin-Dusche zu Recht. Das Endergebnis hat mich aber dann doch etwas geplättet. Das ich die alte Bestzeit von 48:48 packen könnte war mir klar, als Bruttozeit (!) steht jetzt seit heute eine 47:36. Und das ohne gezieltes Training und mit zwei Tempoeinheiten. So kann die Saison doch weiter gehen.

Posted in Road, Wettkampfberichte and tagged , , .

6 Comments

  1. Glückwunsch zur neuen PB !!!!!!!
    Laut deinem Bericht ja nicht unbedingt geplant, oder?
    Weiterhin viel Glück bei deiner M-Vorbereitung und vielleicht erkennt man sich ja in Staffelstein oder Bayreuth, wo ich auch starten werde.
    Gruß Alex

  2. Hallo Daniel,
    ein toller Bericht und eine tolle neue PB. Gratuliere!!!
    Die Sache mit den Museen hat was, für uns hätte das aber den Nachteil, dass wir nicht mehr so bekloppt in der Gegend rumlaufen könnten, sondern stattdessen hinter Glas ein etwas tristes Dasein fristen müssten.
    Für die Marathonvorbereitung weiterhin alles Gute – so kann es ja wirklich weitergehen, oder?
    Viele Grüße,
    Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*