Frankenwald Radmarathon

12. Frankenwald Radmarathon – 110km

Manche Dinge werfen große Schatten voraus, aber große … bzw. lange Schatten können durchaus auch von unscheinbaren Dingen herrühren. Dann ist die Sonne im Spiel. Heute – das kann ich sagen – war die Sonne gut versteckt. Also alle Schatten, die der Frankenwald Radmarathon vorauswirft, hat er sich verdient.

12. Frankenwald Radmarathon in Stockheim

Lauf- und Radsportveranstaltungen haben so ihren eigenen Charme. Ein Vorteil ist, das man herum kommt – ein weiterer, dass man meist nicht ganz so weit reisen muss um dennoch herum zukommen. Da lebt man zentral im wunderschönen Oberfranken, direkt zum Tor der fränkischen Schweiz in der ich regelmässig mit dem Renner unterwegs bin … aber nur knappe 40km entfernt wartet schon das nächste Radparadies. Der Frankenwald bietet all das was das Radfahrerherz begehrt. Steigungen … Hügel… Höhenzüge… Abfahrten und dann das ganze wieder von vorne.

Unter anderem dafür ist der Frankenwald Radmarathon bekannt … das und eine erstklassige Organisation und da gibt es wirklich nichts zu meckern. Die Veranstaltung bietet zwei Tage Programm, 5 Strecken, 5 Verpflegungspunkte (auf der längsten Strecke) und viel Drumherum – das ganze auch noch von Ehrenamtlichen organisiert.

Es gab eine gerade zu unüberschaubare Anzahl an Helfern, Streckenposten, Feuerwehrleuten – dazu die Polizei die den ersten Streckenteil absperrt. Abwechslungsreiche Versorgung bei den Verpflegungsstellen und ein erstklassiges Stimmungsnest am letzten harten Anstieg. Die Strecke ist an allen Stellen mehr als ausreichend und deutlich beschildert – alle Streckentrennungen klar angegeben und die Gefahrenstellen abgesichert oder gut beschildert. Die Anfahrt ist prima möglich, Parkplätze mit Einweisern sind vorhanden.

Deswegen kann ich gut verstehen, dass diese RTF Deutschlandweit so einen guten Ruf hat. Im Zuge der Teilnahme an den Eddy Merckx Classics 2014 (160km) suchte ich eine Trainingseinheit. So kam es, dass ich mich auf die 110km Strecke gewagt habe – aber nicht die Länge, sondern die Höhenmeter waren diesmal der Grund. 1800 sollten es sein – im Verhältnis beinahe so viel wie bei EMC.

Mein Frankenwald Radmarathon – es geht Aufwärts

Frankenwald Radmarathon, RTF, Stockheim

Start zur 110km Tour

Der Vorteil einer nahe gelegenen Veranstaltung ist, dass man schnell mal hinfahren kann. Der Nachteil daran ist, das man für ein paar Kilometer sicher keine Übernachtung bucht. Also klingelt am Sonntag Morgen um 5:00 Uhr mein Wecker. Das schöne ist, dass ich daran gewöhnt bin. Freitags Morgenlauf, Samstags langer Lauf, Sonntags lange Radausfahrt. Bestens vorbereitet ging es schon nach 30 Minuten auf die Straße.

Den Kaffee und meinen Orangensaft mit Chia-Samen gönnte ich mir noch Zuhause, für den Weg habe ich mir noch zwei Nutella-Brötchen eingepackt. Um kurz nach 6 parkte ich also in Stockheim und konnte mein Rad ausladen und alles richten. Dann galt es nur noch in der Startaufstellung Punkt 7 und den Countdown zu warten.

Wirklich vorbereitet war ich nicht, ich wollte mitfahren, meine Leistung ausloben und natürlich Spaß haben. Spaß heisst natürlich auch heil anzukommen. Aber schon am Start war viel Platz und die ersten Kilometer kann man sich auf der komplett gesperrten Bundesstraße einrollen. Einen kleinen Schreckmoment gab es aber schon nach 500 Metern, als ein Fahrer mitten im Feld mit gerissener Kette einen fetten Abflug gemacht hat. Ansonsten ist mir glücklicherweise nichts unterkommen – das ist doch gut so.

Auf der Bundesstraße nahm ich deutlich mehr Tempo auf als ich wollte, Windschatten, die große Gruppe und etwas Übermut sorgten doch dafür, dass ich kräftig Leute überholt habe. Nach 6km ging es auf das, was diese RTF ausmacht – schmale Nebenstraßen die sich über, auf und durch die Hügel des Frankenwalds schlängeln. Der erste Anstieg nach Posseck lässt nicht lange auf sich warten und das Feld schiebt sich erst mal wieder zusammen. So schnell kann ich gar nicht auf den Radcomputer gucken, wie wir auf den ersten Kilometern Höhenmeter machen – dennoch komme ich gut mit. Die Beine sind (trotz der Vorbelastung) frisch – allerdings springt mir hinten die Kette ab und verhakt sich am Schaltzug. Das heisst anhalten und Hand anlegen.

Lehesten, Frankenwald Radmarathon, RTF

Verpflegungspunkt 1 in Lehesten

Bis zur ersten Verpflegungsstation in Lehesten macht die Strecke ganz klar worum es hier geht. Abfahrten sind keineswegs dazu da sich wirklich zu erholen. Die Strecke ist kräftig profiliert und wirkliche Flachstücke gibt es nicht. Entweder es geht abwärts oder aufwärts. So schaukelt sich die Strecke langsam nach oben – irgendwo zwischen 500 und 700 Höhenmeter ist man fast immer.

Vor der ersten Verpflegung gab es noch eine kleine „Offroad“-Einlage – aufgrund von Bauarbeiten wird auf eine äußerst rumpelige Strecke ausgewichen werden. Da wird auch dem RTF-Fahrer mal klar, was es bedeuten muss Paris-Roubaix zu fahren.

Die Verpflegung selbst kam nach knapp 30 KM genau richtig, nach ca. 1 Std. 15 – also erst mal auftanken, kurz die Beine ausschütteln bevor es wieder auf die Strecke geht, die sich schon bald in die 110km und die 160/200km Variante trennt.

Wahrscheinlich habe ich einen Langstreckenfehler begangen – immerhin habe ich nach 10km gedacht… „jetzt nur noch 100“ – und so ging das Spiel doch einige Zeit weiter. Glücklicherweise reagiere ich auf eher negative Dinge nicht so stark, für die Motivation in der Mitte war es aber nicht optimal. Bei er Abzweigung wäre ich auf jeden Fall psychisch nicht bereit gewesen 50km zusätzlich zu fahren.

Dabei ging es direkt nach der Streckentrennung erst mal richtig zur Sache – bergauf, bergauf und nochmals bergauf bis auf den höchsten Punkt der Strecke (an dem auch wirklich mal Sonne durchkam). Irgendwo dort, wo wir fuhren, kreuzte auch der Rennsteig – der Renn-Rad-Steig führte auf der Höhe weiter bis die erste wirklich knallige Abfahrt bevorstand.

Rennsteig, Frankenwald Radmarathon, RTF

Renn(rad)steig

Mit fast 70 Sachen ging es schnurgerade einer Straße hinab gefolgt von einer Steigung inkl. Kurve – ich kam mit so viel Schwung an, dass ich unbedingt bergab bremsen musste um die scharfe Kurve zu kriegen. Aber ich war nicht der einzige der Probleme hatte. Direkt nach der Kurve standen einige Fahrer, die am Berg hingen und die erst mal zurückschalten mussten.

Im ständigen Auf- und Ab bin ich erstaunlich selten überholt worden, überall dort wo passende Gruppen verfübar waren habe ich natürlich etwas Körner gespart und auch mal den Windschatten gespendet, aber meistens zog ich relativ schnell weiter. Nach Rennsteig, weiterem Anstiegen und Abfahrten überquerten wir bald schon wieder die Bundeslandgrenze zwischen Bayern und Thüringen und nahmen Kurs auf Bad Steben sowie der in der Nähe befindlichen zweiten Verpflegungsstelle. Hier habe ich mir doch etwas mehr Zeit gelassen und fröhlich die Griebenschmalzbrote, Nusstrudel usw. zusammen mit Spezi und Kaffee heruntergespült.

Zu dem Zeitpunkt meldeten sich die Beine bereits und die Motivation nochmals fast die gleiche Strecke zu fahren (50 standen noch an) war eher gering. Vor allem nach der Verpflegung ging es erst mal wieder nach oben. Die Schmerzen mussten erst mal wieder aus den Beinen geradelt werden. Dank einer passenden 2-er Gruppe konnte ich das Tempo aber wieder ziemlich schnell steigern. Noch mehr gesteigert wurde, nachdem es dann erstmal richtig bergab ging ins Rodachtal.

Das half auch die Motivation wieder zu finden – die war auch dringend notwendig, denn den Anstieg nach Nordhalben kannte ich vorher schon. Zwar nur per Auto, aber die Erinnerung hat schon gereicht. Schön, das vor und hinter mit keiner meinte hier eine Bergwertung gewinnen zu müssen. So fuhr eine große Gruppe bergauf, auch wenn ich hier wieder einige Fahrer geschluckt habe.

Kurz vor der letzten Verpflegung fuhr ich relativ alleine ein recht knackiges Tempo – ich hätte nicht gedacht, dass ich rund um die 80km doch noch so spritzig fahren kann. Dennoch habe ich wieder ausreichend Zeit an der letzten Verpflegung in Effelter verbracht. Auch hier konnte ich nach dem losfahren direkt wieder eine kleine Gruppe aufgabeln mit der es dann im Sturzflug mächtig bergab ging. Im Tal angekommen konnten ich eine 4 Gruppe aufsammeln und auf die berühmt-berüchtigte „Wand“ anzufahren. Die andere Seite des ersten Anstiegs nach Posseck glänzt mit einem  17%-Steigung Schild auf 1000m.

Der Tacho zeigte zu dem Zeitpunkt 98,8km – also fast 100km in den Beinen und eine richtig heftige Rampe zu bewältigen. Schnell merkte ich, dass ich hier schneller vorankomme als die 4er Gruppe. Da lobe ich mir die „Bergübersetzung“ meines Roadlite – dennoch musste ich kräftig beißen. Am oberen Teil der Rampe wartet eine Motivationsgruppe die wirklich dafür gesorgt haben, dass ich nochmals nachgelegt hatte.

Oben angekommen war ich im absoluten Laktat-Rausch. Vor lauter Laktat und Endorphinen habe ich die schmerzenden Beine kaum bemerkt. Viel mehr hat die Überwindung der 100km Grenze und der „Wand“ mein inneres Tier von der Leine gelassen. 10km zu fahren – und keine Körner mehr zu sparen. Überholen, überholen … erst bergab und dann immer mehr Tempo aufnehmen. Die letzten 6km auf der Bundesstraße hielt ich das Tempo konstant über 36km/h … auch wenn die Oberschenkel um Gnade riefen, Gnade gibt es im Ziel.

Frankenwald Radmarathon, RTF, Edge, Garmin

das war’s

Nach knapp 4 Stunden und 3 Minuten netto (und knapp eine halbe Stunde mehr Verpflegungszeit) fuhr ich durch den Zielbogen. Zusammen mit einem Fahrer auf einem 29er Hardtail – da habe ich nicht schlecht gestaunt. 110km im 27er Schnitt mit so einem Monstertrum.

Glücklich und zufrieden konnte ich mich im Zielbereich niederlassen – der Frankenwald Radmarathon hatte es nur 5 Minuten nach Zielankunft auf meine Wunschliste für 2015 geschafft. Das ist Rekord!

Mein Fazit

Absolut zufrieden fuhr ich wieder nach Hause. Die Strecke ist toll, leider gab es keine tolle Fernsicht, die Höhenzüge bieten bei klarem Wetter sonst sicher einen wahnsinnigen Blick auf Franken- und Thüringerwald.

Die Organisation ist tadellos, das Teilnehmerfeld ist groß genug – also fährt man seltenst allein, aber wenig Gefahr durch zu viel Leute auf der Strecke. Alles ist super ausgeschildert und die Strecke ist nichts für so nebenbei. Ich bin mir auf jeden Fall wieder etwas sicherer, dass ich die EMC 2014 schaffen kann. Bestimmt werde ich im Salzburgerland an die endlosen Aufs und Abs im Frankenwald denken.

Carboloading, Frankenwald Radmarathon, RTF

Carboloading

Der einzige Wermutstropfen ist, dass mein Garmin Edge nach dem o.g. sich überlegt hat, die Daten der Ausfahrt einfach zu fressen. Wirklich schade, denn hier hätte ich wirklich das ein oder andere Teil interessiert. Immerhin habe ich noch das Foto gemacht. Da sieht man mal wie abhängig man sich von solchen Dingen macht, denn die Leistung ist unabhängig von der Aufzeichnung.

Vielleicht bekomme ich ja nächstes Jahr die Möglichkeit, einen eigenen Track aufzuzeichnen… dann vielleicht die 165km. Denn warum in die ferne schweifen. Eine richtig tolle Gegend und eine wirklich tolle Radsportveranstaltung sind gerade mal 40 Minuten entfernt.

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