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Cyclassics Hamburg 155km

Ihr kennt das, da plant man einen Urlaub mit der Familie. Man sitzt am Rechner und recherchiert wo es hingehen soll. Es gibt einiges an Kriterien, die so eine Urlaubsdestination zu erfüllen haben. Norden oder Süden, Inland oder Ausland, Hotel oder Ferienwohnung.

Dieses Jahr war unsere Urlaubsplanung absolut erschwert davon, dass weder ich noch meine Frau den richtigen Drive fanden, aber die Zeit immer mehr und mehr verstrich. Das bedeutet – wenn man in der Hochsaison verreist – es wird immer teurer.

Letztlich fiel die Wahl auf Norddeutschland und Ferienwohnung, nachdem die Eckpfeiler abgesteckt waren, die Zeit ausgewählt und die Buchung erfolgte suchte ich aus Spaß, ob es eine sportliche Aktivität in der Nähe wäre. Ich stieß auf den Heldenlauf in Hamburg, holte mir kurz die Genehmigung (da meine Frau natürlich auch Planungen hatte, war dies ein leichtes) und schon war die Vorbereitung abgeschlossen.

Das zwei Tage vor unserer Anreise in Hamburg auch noch Europas größtes Jedermann-Straßenrennen stattfindet, war mir natürlich zu diesem Zeitpunkt bewusst, aber ich wollte damals ja noch strikt für den Marathon trainieren und nicht wieder Schiffbruch erleiden. Zudem war ja die Anreise später gebucht, also keine Gefahr.

Was genau dann geschah ist in den Geschichtsbüchern nicht eindeutig überliefert. Wahrscheinlich hatte ich an irgend einer Stelle mal fallen lassen, dass ja die Cyclassics vorher wären und das immerhin Sven teilnehmen würde. Wie meine allerbeste Ehefrau der Welt so ist (… zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie selbst noch weitere Pläne hat) meinte sie, melde dich doch an. Tja … das ist ja quasi ein Freifahrtschein! Schnell noch im angrenzenden Hotel die zusätzlich notwendige Übernachtung gebucht und schon verfiel ich wieder in den Arbeitstrott und beschäftigte mich mit nichts.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.

Der Mensch hat ja die wundervolle Fähigkeit, Dinge die einen selbst zu betreffen auszublenden. Zum Beispiel wie man 3+1 Fahrräder mit in den Urlaub nimmt, wie man die Startnummer abholt, wie man die Distanz von ca. 70km zwischen dem Wohnort und Hamburg überbrückt um Morgens um kurz nach Acht in der Startaufstellung steht, solche Dinge eben.

Je näher der Termin rückte, um so notwendiger wurde die Planung für den Urlaub. Also Radträger besorgt, das erste mal überhaupt die Anhängerkupplung am Auto getestet und so. Leider steht in der Familie nur ein 2er Träger bereit, also Alltagstaugliche Räder für die ganze Familie plus Rennrad … Fehlanzeige. Der Plan das Rennrad und das Kinderrad in den Van (zum Glück) zu packen, war eine Lösung.

Allerdings bereitete mir die Strecke dennoch Sorgen, 1h 20 Minuten vom Ferienort zum Start, das ist zu viel für Sonntag Morgen. Zum Glück hatte Sven angeboten, bei Ihm zu übernachten, immerhin beherbergte er schon Max. Gemeinsam sollten wir also zur Allebekloppt-Rad-WG werden.

Vorher stand nur noch die Anreise und die Tatsache, dass ich Samstag Morgens leider total erschlagen und mit dem Gefühl eines Infekts aufgewacht bin. Das Ibuprofendoping half zwar, aber es blieb unklar, wie es mir am nächsten Tag gehen sollte.

Schnelle Gesundung und Rennrad WG

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Startunterlagen geholt

Die etwas mehr als 500km bis nach Hamburg verliefen ganz OK, ich hatte schon vorher einen passenden Parkplatz für Auto mit Radträger rausgesucht und schon ging es in die Stadt wo ich Sven und Max nach der Abholung der Cyclassics Startunterlagen traf. Meine Frau traf auch noch eine Bekannte die auf die 100er Strecke gehen sollte.

Nach etwas Smalltalk und der Notwendigkeit schnell noch Gels zu kaufen, weil weder Max noch ich welche dabei hatten *hüstel* … machten wir uns auf zu Svens Bahausung um dort erstmal alle Räder unterzubringen.

Ich verabschiedete mich von der Familie und wir starteten in den vergnüglichen Teil des Abends. Vergnüglich heißt natürlich, dass es ums Essen geht. Immerhin fühlte ich mich wieder schon etwas besser. Nach einem Burger, einem Pfund Pommes und etwas Nachtisch inklusive ausreichend Rad- und Twittertalk war klar, wir werden heute nicht mehr alt.

Also ab in die Wohnung, noch etwas Vorbereitung und dann schlafen. Oder es wenigstens versuchen, denn in 1-2 Wohnungen rundum herrschte noch Party-Stimmung und alle durften teilhaben. Irgendwie hab ich es dann doch geschafft zu schlafen und das gar nicht mal so schlecht.

Cyclassics Raceday

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Startblock G … wie gewinnen, oder Guchen

Max fuhr die 100km Runde und konnte deswegen später starten, aber Sven und ich mussten gegen 8:00 Uhr in der Startaufstellung sein, was auch recht gut geklappt hat.

Sven machte noch etwas Sightseeing mit uns, ich fuhr durch ein Schlagloch und *krach* meine Ergon Sattelstütze verstellte sich mal dezent in eine Neigung nach hinten. Aua.

In der Startaufstellung lieh mir Sven noch sein Multitool. Für die zweite Trinkflasche habe ich auf meine Werkzeugflasche verzichtet und einfach Schlauch und CO2 Patrone in die Jerseytasche gesteckt. Multitool Fehlanzeige. Immerhin konnte ich den Sattel wieder richten … dann ging es schon los.

Anfangs noch ziemlich locker. Auch wenn wir vorher herumgescherzt hatten, dass 40,7km/h Pflicht wäre, war mir nicht nur wegen dem Infekt klar, dass würde niemals gehen. Dennoch blieb ich erstmal an Sven dran, nachdem sich die große Menge an Radfahrern nach der Köhlbrandbrücke so langsam aufgelöst hat.

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auf der Köhlbrandbrücke

Ein Blick auf meine Herzfrequenz stellte klar, dass heute auch 40,2 oder 39,733156km/h mal nicht drin sind. Ich zog mit bis zur ersten „Bergwertung“, nachdem beim Antritt aber meine Waden versuchten zu krampfen, dachte ich … das mal besser sein zu lassen.

Die 100er Runde

Oben angekommen konnte ich wieder aufschließen, aber es dauert nicht lange bis Sven wieder verschwunden war. Also lies ich es erstmal gut sein und fuhr mein Tempo. Durch geschicktes taktieren in den Gruppen konnte ich zwar nochmals zu ihm aufschließen, aber es war klar … heute reichen 40km gemeinsam. Ich lies ihn ziehen und blieb erstmal in der Gruppe zurück. Für mich hat das relativ gut gepasst.

Die „Anstiege“ nah ich immer ganz links, denn ziemlich schnell ging an den kleinen Hügeln einigen die Luft aus. Auf den Geraden gab es ordentlich Tempo. Nach der ersten Verpflegung die ich ausgelassen hatte, wurde es voll auf der Strecke was erstmal Tempo gekostet hat. Nach 1-2km fuhr ich aber mit der Gruppenspitze davon.

So ging es bis quasi bis wir wieder zurück in Hamburg waren. Ich fühlte mich frisch und konnte super in der Gruppe fahren. Leider löste sich kurz vor den Elbbrücken wieder der Sattel. Kacke … diesmal ohne Multitool. Durch die Konstruktion blieb nur ein beherzter Ruck an der Rückseite übrig, etwas das ich ab sofort alle 4-5km machen musste. Mein Heck hat mir das keinesfalls gedankt.

Die 60er Runde

Am Ende der 100er Runde sah ich noch eine Menge 155er um mich herum, allerdings hatten die wohl einen Turbo drin, während sie vorher noch locker mit der Gruppe gefahren sind gaben sie Gas und ich eierte plötzlich allein durch die Straßen Hamburgs… mit Gegenwind.

Eine Gruppe wartete am Horizont, genau in meinem Tempo. Von hinten kam nichts nach… nach vorne fahren kostet zu viel Kraft. Uff. Zum Glück sammelte mich einer mit zu viel Energie auf, in seinem Windschatten konnte ich auf eine Gruppe aufschließen. Plötzlich sprach mich Kowi an, der ebenfalls unter dem Label #allebekloppt ins Rennen ging.

Mit der kommenden Gruppe fuhr ich weiter bis zur nächsten Verpflegung, denn mein Getränk war leer. Leider war das wohl ein Fehler. Eine Flasche lies ich mit Wasser füllen, dazu trank ich etwas Iso. So richtig gut war es nicht … und es würde sich noch rächen.

Endlich aus der Stadt heraus ging es eine schier endlose Straße im Windschatten entlang. Ich hielt gut mit und blieb bis kurz vor Wedel in der Gruppe, allerdings war plötzlich der Ofen aus. Ich hatte keine Kraft mehr und musste die Gruppe ziehen lassen. Solo strampelte ich im Wind weiter und mir ging es immer schlechter.

TILT!

Die Kraft schwand beinahe komplett, mir wurde richtig übel und am Ende kurbelte ich nur noch saft- und kraftlos vor mich hin, mir war richtig schwindelig und ich überlegte ob ich einfach so auf die Straße reiern sollte, oder ob ich vorher absteige.

An der zweiten Bergwertung ging gar nichts, ich kurbelte im leichtesten Gang hoch und wurde von unzähligen anderen eingesammelt. Es war die Hölle. So eine Situation habe ich noch nie erlebt, Hungerast kenne ich, aber das… wahrscheinlich eine Folge des Infekts + Ibuprofen.

Langsam ging es abwärts und mit mir wieder aufwärts. Mein Magen beruhigte sich und ich konnte wieder etwas Druck machen. Das Ziel kam immer näher und ich phantasierte nur noch von Cola.

Zieleinfahrt… Sven, treffen, Cola trinken. Fertig

Resümee

Tja, was soll ich sagen? Schlecht vorbereitet und nicht fit soetwas zu fahren, kann man machen. Dann muss man eben damit rechnen, dass man vollkommen abkackt. Ich verbuche das wirklich mal unter Extremerfahrung. Ich habe ja schon extrem unterschiedlich gelitten, aber noch nie so.

Wahrscheinlich war es einerseits der Wechsel von gesalzenem Wasser, das ich mit hatte, zu dem blanken Wasser. Zudem war das Iso einfach nicht mein Ding. Irgend etwas davon, hat mich nachhaltig zerstört, zudem haben mir sicher 2-3 Gels zusätzlich gefehlt.

Den letzten Teil der Cyclassics Strecke habe ich so gar nicht mitbekommen, die 100er Runde ist sehr schön, Hamburg ist spannend und die 60er Schleife ist ziemlich zackig, bis mir die Lichter ausgingen.

Trotzdem war es ein witziger Einstieg in den Urlaub, während ich so langsam wieder zu Sinnen kam, dachte ich mir, das ist wie eine formatierte Festplatte. Einmal schön abschießen und dann Urlaub genießen.

Nach Entgegennahme der Medaille ging es zu Svens Wohnung wo wir uns wieder in lebendige Wesen verwandelten. Max machte sich auf den Weg und Sven hat uns netterweise noch etwas Sightseeing zukommen lassen. Perfekt wie ich finde.

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#Twitterbiketreff im Ziel

An dieser Stelle wirklich nochmals herzlichen Dank an Sven für die Beherbergung und die Organisation rundum. Das war wirklich klasse! #Twitterbiketreff eben.

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