Das Ziel der Ziele

Kürzlich schrieb ich hier über Ziele die mir – wie der ein oder andere Schuh – nicht mehr passen würden. Wobei der Vergleich (haha) hinkt. Denn Schuhe passen meist von Anfang an nicht, man will nur das sie passen. Ziele passen oft anfangs, aber irgendwann werden sie zu weit oder viel zu eng.

Zugegeben – aber das hatte ich auch erwähnt – mein letzten Gedanken waren geprägt von einem großen Schwung Frust. Nicht nur Flo hat das ganze in seinem tollen Kommentar gerade gerückt, das ist mir durchaus selbst bewusst und sollte auch die Quintessenz des ganzen sein.

Wenn ich die letzten Jahre so zurückdenke sind es genau diese Momente gewesen, an denen ich an „all dem“ gezweifelt habe, die Momente in dem ich sah wie andere ihr Training organisiert bekommen und fleissig schuften und ich ein Ziel an eine Verletzung, ein anderes an das Jahr mit den meisten Erkältungen, wieder ein anderes an ein Arbeitsprojekt und viele kleine an eine weiche Leiste verlor.

Mein Gruselkabinet der ‚an die Wand gefahrenen Ziele‘ ist vielfältig, aber es ist gleichgültig was darin aufbewahrt ist. In dem Moment, in dem der Startschuß fällt und ich nicht am Start stehe – in diesem einzigen kurzen Moment ist das relevant, danach schon nicht mehr. Da gibt es nichts zu bedauern.

Auf der anderen Seite sind da die vielen Ziele die ich erreicht habe, die Erlebnisse  die ich mitgenommen habe, all das was ich geschafft habe.

Dieser elende Blick auf andere Menschen, wie oft ich mich davon habe schon beeinflussen lassen – selbstverständlich wider besseren Wissens. In vielen Bereichen meines Lebens nehme ich derartiges Verhalten absolut entspannt zur Kenntnis, aber im Sport pikst mit Neid und/oder Missgunst immer noch viel zu oft. Da hilft eines – bei sich zu sein, bei dem was man will und kann und an seine Ziele glauben.

Und ich tue das!

Aktuell erhole ich mich von einer fetten Erkältung, die mir den gesamten Faschingsurlaub über geblieben ist. Das bietet eine Menge Möglichkeiten zu husten, schniefen und herumzuliegen und sich richtig elend zu fühlen.

Wie so oft, fange ich dann an Dinge zu tun die seit Ewigkeiten aufgeschoben sind. Ich habe ein paar Sachen gelesen und nachgeschlagen, ich habe mir ein paar Daten angesehen und ich habe plötzlich dieses Feuer in mir gespürt als es um den Zugspitz Supertrail. Dieses Gefühl habe ich für ein sportliches Ziel schon lange nicht mehr gehabt – auch aus dem Wissen heraus, dass ich viele Dinge eben einfach so hinbekommen würde.

Die Größe dieser Herausforderung bereitet mir dabei Knieschlottern. Der ZUT kennzeichnet sich die letzten Jahre durch immer höhere DNF-Quoten, weil so Hampelmänner wie ich dort mitlaufen und meinen einen alpinen Trail wie einen Volkslauf zu absolvieren. Ich nehme das ernst – aber ich lasse mich nicht abschrecken.

Das Bild des Zugspitzmassivs verursacht bei mir einen Anstieg des Herzschlages … und ich bin mir sicher, wenn ich für den Supertrail gut trainiere werde ich dabei die anderen Dinge, die ich dieses Jahr von Herzen machen möchte (den METM mit der #KCHNCRW, die Bayreuthumrundung mit Flo, den Wings for Life Run mit den Twitterlauftreffleuten oder den #Kreuzberg50 zum Saisonabschluss) viel mehr genießen können, denn was anderes möchte ich dort auch nicht.

Letzte Woche lief ich mal eben einen zügigen hügeligen Halbmarathon aus dem Training – was heisst hier Training. 176 Jahreskilometer, Plus Radtraining auf der Rolle, Plus Langlauf, Plus Krafttraining (insgesamt jetzt schon doppelt so viele Stunden wie 2016). Für 180 Höhenmeter lief ich ein 1:53 – für mich ist das sensationell und schneller als einige meiner WK-Teilnahmen.

Das war für mich ein Signal, dass das was ich Training nenne für mich funktionieren kann ohne mich kaputt zu machen und mich in die Presse zwischen Familie, Job und Sport zu begeben. Es gilt keine Bestleistung beim Supertrail zu erbringen, sondern auf die beiden Berge hoch und sicher wieder herunter zu kommen. Das will ich schaffen, dabei am Zugspitzmassiv sein, andere Leute treffen und mit meiner Frau einen Tag vorher den 10. Hochzeitstag feiern.

Ich WILL zur Zugspitze, ich WILL den Supertrail, ich WILL nach Grainau einlaufen … dieses eine, viel zu große, harte, bekloppte Ziel für mich … das will ich dieses Jahr erreichen!

Der Trainingsplan ist inzwischen in Excel getippt und mit Datum versehen – zu meiner Überraschung geht es Morgen los. Es ist der alte Plan, der vor 2 Jahren auf der Homepage stand, inklusive HIIT Einheiten, Radeinheiten und Krafttraining. Quasi das was ich jetzt mache nur strukturierter. Das wird mein Erfolgsrezept sein!

Morgen steige ich ein in den Plan, wenn nicht mit der ersten Lauf- dann mit der Krafteinheit. Der Plan wird für mich flexibel sein müssen, aber als ersten Schritt wird er in der Küche neben dem Familienkalender hängen. Weil ich weiß, dass mich meine Frau nicht nur über 10 Jahre schon aushält, sie hilft mir auch solche bekloppten Dinge zu erreichen und ist für mich da, dafür steht der Sport niemals vor der Familie.

Das wird mein Erfolgsrezept! Zugspitz Supertrail … ich komme! Wir sehen uns in 104 Tagen!

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5 Comments

  1. Hallo lieber Daniel,
    du wirst deine Ziele erreichen. Dessen bin ich mir sicher. Du wirst sie lächelnd erreichen, wenn nicht in diesem Moment, dann im nächsten. Du bist ein Kämpfer, das hat sich gezeigt. Bist auch mit der weichen Leiste wieder aufgestanden, arbeitest an dir und das du es noch kannst hat der Trainings-HM gezeigt.
    Du wirst deinem Ziel folgen und es nicht aus den Augen verlieren. Du wirst Familie, Job, Training, Alltag unter einen Hut bekommen. Du bist der Typ der nicht aufgibt und das macht dich stark. Du wirst viel unvergessliche Momente erleben.
    Wir sehen uns zum Saisonabschluß. Ich wünsche dir alles Gute auf dem Weg dahin. Viele liebe Grüße, Eric.

  2. Lieber Daniel,
    Deine Worte haben mich nachdenklich gemacht. Danke für Deine Offenheit und für Dein Vorbild. Menschen wie Du helfen mir, wenn ich keine Lust mehr habe. Ich erinnere mich wieder daran, warum mir Laufen wichig ist und vor allem was mir daran wichtig ist. Ich bewundere Deine Zielstrebigkeit und wünsche Dir viel Erfolg für Dein großes Ziel. Alles Gute bei den Vorbereitungen, bleib verletzungsfrei und hab auch Spaß! Viele Grüße, Michaela

  3. Pingback: Lieblingsblogs Folge 58 - Coffee & Chainrings

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