Die frühe Form fängt sich nen Wurm

Stille schön und gut, hier im Blog gefällt sie mir gar nicht. Stille in meinem Blog bedeutet für mich normalerweise akuter Freizeitmangel – und wenn es dann doch etwas zu berichten gibt, dann ist das nicht unbedingt immer etwas konstruktives.

Das meine Planung ambitioniert ist – Haken dahinter, das der Mischmasch aus Radtraining, Trailtraining und langfristige Marathon-Vorbereitung eine Gratwanderung darstellt – klaro. Dass das ganze nicht so einfach läuft … logisch. Vielleicht nicht logisch genug.

Seit Anfang Dezember ziele ich auf die MSR300 und trainierte weiter den Greif Plan. Wie an anderer Stelle schon geschrieben, keineswegs 1:1. Obwohl ich 4 Trainingstage im Plan habe, sind es selten 4 gewesen. Mal 3 oder mal 4 – immer ergänzt um 2-3 Radtrainingstage. Wenn es die äußeren Umstände zuliessen trainierte ich seit Dezember 6 Einheiten die Woche. Die Rückblicke der letzten Monate sprechen Bände, so viel trainiert habe ich noch nie. Das liegt unter anderem daran, dass ich noch nie so effizient in der Zeitplanung war und meine Familie hier voll hinter mir steht.

Das Training lief, ich war so wenig krank wie seit mindestens 9 Jahren nicht mehr und das Schicksal nahm seinen Lauf. Ich kam in Form. Bei dem Trainingspensum sollte das nicht überraschen. Hannibals Smith (der vom A-Team) hätte sicher gesagt: „Ich liebe es, wenn eine Form funktioniert“. So ähnlich dachte ich auch, als das Tempo im März immer weiter stieg und der Puls sank.

Ich war in der besten Form meines Lebens. So fit war ich noch nie (traurig das mit 33 feststellen zu müssen, nicht wahr?). Die Belohnung folgte auf dem Fuß – die grandiose Bestzeit beim Citylauf Dresden, die mir im Nachhinein so leicht gefallen ist.

Letztlich war sie aber der Anfang vom Ende meiner Frühjahrsform. Es folgte etwas, das ich schon leider sehr oft erlebt habe. Die wunderbar austarierte Maschinerie aus Familie, Arbeit und Sport geriet ins stottern. Was vorher so einfach nebenher lief, wurde plötzlich schwierig.

In der Woche nach dem Citylauf hatte ich Messedienst. 3 Tage Messe, von früh bis spät. Unzählige Gespräche, den ganzen Tag stehen und dazu noch hin- und zurück pendeln. Das schaffte mich mehr als ein 30km Lauf. Also lies ich schon mal eine Woche Training quasi ausfallen und stieg notgedrungen aufs Rad um. Kurz danach mein Oster-Trainingslager. Da das Wetter gut war und die MSR immer näher kommt, wieder viel Rad wenig laufen. Danach … Taperingwoche für den Halbmarathon.

Statt Tapering musste ich leiden. Die letzten Einheiten vor dem HM waren die Hölle. Der Puls war jenseits von Gut und Böse, aber die Hoffnung war noch da. Allerdings nicht mehr lange, kaum war ich Freitags nach einer langen Dienstreisewoche zu Hause legte es mich flach. Müde und abgeschlagen ging gar nichts mehr, ein Infekt stand ins Haus.

Und so verging also jetzt ein Monat mit sehr wenig Laufkilometern und mit noch weniger davon die als Qualitätseinheit zählen. Die neue Zielzeit im Plan durch die Bestzeit sowie der Trainingsausfall befeuern sich gegenseitig – Lauftraining heisst aktuell Frust. Aus diesem Grund habe ich hier jetzt die Reißleine gezogen. Ich habe in meinem Plan 2 Tempostufen Reduktion beantragt. Das heißt ich habe jetzt Zeit bis Ende Juni wieder Anschluß an meine Laufleistung zu bekommen.

Der Hintergrund ist klar, die Laufziele dieses Jahr weisen alle auf den Berlin Marathon hin. Klar gesprochen bedeutet es aber auch, nach der 10K Bestzeit war es das mit dem Frühjahr. Der Ziel-HM ist ausgefallen, der nächste HM hat zu viel Höhenmeter für eine neue Bestzeit. Die geplante Teilnahme am örtlichen 10,5km Lauf fällt wegen Überbuchung aus (und wenn ich HM an dem Tag laufe, dann 1 Woche nach dem Weltkulturerbe HM mit >250HM).

Der einzige Grund warum ich nicht total gefrustet bin, ist die Tatsache, dass ich ein kleiner Multisportler bin. Der Lauffrust hat mich aufs Rad getrieben und da läuft es ganz passabel. Ich habe einiges an Stunden und Kilometer gesammelt und auch sonst läuft es prima. Darum habe ich meine Prioritäten umgewidmet. Das Jedermannrennen Rund um die Altstadt in Nürnberg wird wird sicher ein Highlight und die MSR300 ist sowieso eine eigene Dimension. Ich freue mich auf beide Veranstaltungen und genieße jeden Radkilometer den ich dafür als Training hinbekomme.

Mit der Konzentration auf das Rad und dem temporeduzierten Trainingsplan habe ich jetzt genügend Spielraum mein Lauftraining wieder so zu gestalten, dass es a) wieder regelmässig stattfindet b) wieder Spaß macht und c) mir es trotzdem ermöglicht den Zugspitz Basetrail so zu laufen, dass ich Freude daran habe. Das ist schon Herausforderungen genug, denn aktuell bin ich an den verschiedensten Fronten gefragt.

Ein wenig trauere ich meiner Früh(lings)form schon hinterher, aber – das schreibt ja Greif selbst – Form ist etwas temporäres, die generelle Leistungsfähigkeit die aus dem Training entsteht ist für länger. Genau so sehe ich das, die vielen Trainingsstunden die ich an allen Ecken und Enden zusammensammele sind nicht vergebens, nur investiere ich sie anders.

Das große Problem ist nur, das auch einzusehen … ;-)

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6 Comments

  1. Jammern auf hohem Niveau, würde ich sagen.

    Nicht zu vergessen: die Mehrheit von uns sind Freizeitsportler, die – zugegeben – mit hohem Ehrgeiz unterwegs sind. Familie, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen, ist schon eine Disziplin für sich. Jeder, der das einigermaßen hinbekommt, verdient Respekt.

    Viel Erfolg noch dieses Jahr!

    • Ja, das ist mir schon klar – aber das gehört doch zu unserem Sport dazu. Wer nicht ernsthaft jammert betreibt keinen ernsthaften Ausdauersport ;-)
      Aber im Ernst, der Ehrgeiz ist doch das Salz in der Suppe – ich könnte niemals alles so locker sehen, dass mich so ein Formeinbruch total kalt lassen würde.

  2. Martins Beitrag ist nix mehr hinzuzufügen. Respekt, dass Du alles unter einen Hut bekommst!

    Und lieber was für die generelle Leistungsfähigkeit machen ( dürfen) als gar kein Sport ;-)

    Keep on sporteln …

    • Danke … ganz so schlimm ist es ja nicht, immerhin erreiche ich ja auch meine alternativen Ziele. Im Gegensatz zum letzten Jahr, lässt mich so eine Entwicklung doch etwas lockrerer. Nur wenn ich jetzt schon den Berlin Marathon vergeigt hätte, wäre ich sauer … aber hier ist noch genug Zeit. Dank geänderten Trainingsplan habe ich ab jetzt gut 3 Monate Zeit Anschluss zu finden und die Sommerregeneration durchzuziehen.

  3. Lieber Daniel….

    Du bist zwar um einiges jünger als ich… ich kann sagen, dass ich nun mit 46/47 in die Form meines Lebens komme *lach*… aber wie du kompensiere ich meinen Lauffrust mit Rennrad-Lust. Und ich bin froh drum, dass ich das Rennrad habe… Und den Kraftsport. Und eben auch ein Multi-Sportler bin ;-) Danke für deine schönen Beiträge!!!
    Kathrin

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