die wunderbare Leichtigkeit des Nichts

Es hätte so einfach sein können. Einfach für mich, wenn ich diesen Blog gestern geschrieben hätte. Warum? Darauf komme ich gleich.

Das wird aber auch so ein eher untypischer Beitrag auf einem Blog eines Hobbysportlers. Sportelt man als Hobby macht man das ja a) gerne b) oft c) als Hobby. Gehört zum Alltag und hält für viele Dinge im Leben her. Nun stelle man sich mal ein Blog eines Imkers vor, er bloggt tagein tagaus über die Imkerei, über Bienen, Stöcke und Honig. Eines Tages schreibt er einen Blog darüber, dass er lieber Agavendicksaft benutzt. Bamm!

Nun schreibe ich ja hin und wieder mal nichts. Nichts schreiben ist in einem Blog kein Problem. Passiert nix? Kein Blog! Keine Ideen? Kein Blog! Kein Bock? Kein Blog.

Heute wollte ich aber mal was schreiben, nämlich übers Nichts. Also nicht so philosophisch und so’n Kram sondern über das sportliche Nichts.

Dazu passt, dass ich die Tage ein Hörbuch gehört habe, dass einem Ausdauersportler (der Dinge viel zu ernst nimmt) die Zornesfalten ins Gesicht treibt. Ich meine „Einen Scheiß muss ich von Sean Brommel“ oder Tommy Jaud. Ich hörte ein Interview mit dem Kerl vor geraumer Zeit, deswegen hab ich dem Buch eine Chance, gefiel mir die Idee des ultimativen Nicht-Ratgebers doch sehr gut. Nun rechnet der fiktive Sean Brommel mit allem ab was der moderne Mensch so muss (also quasi alles).

Demnach macht Sport fett (hmm… naja) und früher tot. Fernsehen und Bier trinken verbrennt mehr Kalorien als Laufen und Energydrink zu sich nehmen und Triathleten hinterlassen Workout-Witwen.

Feinste Satire, aber darin steckt immer ein Körnchen Wahrheit. Natürlich muss man keinen Sport machen. Wer einen richtig körperlich anstrengenden Job hat, wird das genau so sehen. Man muss nicht laufen gehen, man muss kein Krafttraining machen, man muss keine Strandfigur bekommen, man muss nicht an der Wand sitzen oder Ultratrails laufen. Muss man alles nicht. NIE! Das ist wichtig.

Zwift April 2016Wenn man meint irgendetwas davon zu müssen, läuft was nicht ganz richtig. Gerade in der jetzigen Situation finde ich das ganz spannend, muss ich doch aktuell auch sportlich mal garnix. Aktuell weil ich nicht darf, Anfang des Monats weil ich nicht konnte und dazwischen weil ich nicht wollte. 3 Trainingsstunden ist seit meiner sportlichen Wiederauferstehung im Jahre 2012 der geringe Trainingsumfang.

Und? Die Welt dreht sich noch!

Tut sie auch noch, wenn ich nach 14 Tagen nicht mit leichtem joggen anfange. Tut sie auch noch, wenn ich gar keinen Sport mache und auf der Couch verfette. Denn … ich muss keinen Sport machen. Ich muss nicht radfahren, ich muss nicht laufen – auch in Berlin keinen Marathon. Ein befreiendes Gefühl.

Ich musste die letzten Tage auch nichts arbeiten. Einfach mal NICHTS tun. In unserer always-on Gesellschaft hat das Seltenheitswert und öffnet Tür und Tor. Bei Kindern sagt man, sie sollen sich langweilen um kreativ zu werden. Ja das ist was dran, ich war mal ganz anders kreativ, ich habe Dinge gemacht, die mir und nur mir ganz allein Freude gemacht haben (war ja auch keiner sonst da).

Das entlastet auch mental, denn die letzten Jahre schwebte über mir immer dieser Gedanke, ich bräuchte den Sport zum abschalten. Ja – ist eine tolle Gelegenheit, aber brauch ich nicht – geht auch anders. Sport kann einfach nur Spaß machen oder was weiß ich welchen Grund sonst noch.

Deswegen ist Nichts auch mal was. Auch im Leben eines Hobbysportlers, der am liebsten Sport statt Nichts tut.

Warum hätte das jetzt aber nun so einfach sein können? Nun … bis Gestern spukte dieser Blog, die Gedanken in meinem Kopf herum. Alles schien ganz easy. Hinsetzen und einen Blog als Zeichen der Entschleunigung und des „nicht müssens“ tippen. Feierabend.

Aber es nicht jeder Tag ist gleich. Das Ende der #in14Tagenleichtesjoggen rückt näher. Ich werde wieder aktive und kann mich wieder besser bewegen, das Wetter wird besser und es gibt wieder Dinge zu tun.

Mit dem festen Vorhaben ein paar Dinge zu verändern gehe ich aktuell auch schwanger. Allein schon wie ich den Laufeinstieg angehen möchte … nicht übertreiben, passend aufbauen und dann die Dinge die ich den letzten 9 Monaten gelernt habe am besten nicht über Bord werfen.

Dabei blicke ich auf die 3h Training … und frage mich, was so toll am Nichtstun sein könnte. Ich möchte wieder etwas tun. Ich muss einen Scheiß … das ist sicher, aber ich will. Ich will. Ich will.

Ich will wissen, wie sich laufen nach der OP anfühlt. Ich will wissen ob ich überhaupt auf einem Fahrrad kurbeln kann. Ich will wissen, welche Übungen ich schmerzfrei machen kann.

Ich will raus … nicht nur spazieren. Ich will!!

Einigen wir uns darauf, dass Nichts manchmal durchaus etwas ist … und auch gut, aber auch Dauer ist Nichts auch nichts. Die Dosis macht das Gift und viel besser als Dauernichts ist hier und da ein kleines Nichts über die Woche verteilt.

Ich bin nun genug Genichtet. 3h Training ist nichts – Ziele gibts keine, denn einen Scheiß muss ich. Aber eines will ich ganz sicher, wieder anfangen.

 

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18 Comments

  1. Ich liebe Nichts tun! Ehrlich, ich komme darauf super klar. An freien Tagen tue ich sehr gerne nichts. Nada. Am liebsten über Stunden. Dafür braucht man kein Internet, kein TV und kein Radio.

    Ansonsten muss ich manchmal genauso trainieren wie ich manchmal arbeiten muss. Müssen steht dann für eine Art Selbstmotivation, als Zielverknüpfung. Wenn ich jetzt nicht trainiere, dann …. werde ich nur 171. statt 113. Nein, dann ärgere ich mich, dass ich meine Ziele nicht erreicht habe.

    Genauso wie mit dem arbeiten. Wenn ich heute nicht…. Dann bekomme ich kein Geld.

    Was ich sagen will: Man darf auch mal müssen, müssen. Aber eigentlich stellt sich selbst beim müssen spätestens nach dem gemüsst haben ein positives Gefühl ein. Solang der Spaß am Hobby überwiegt und die Freude am quälen, dann ist das schon alles ok.

    Und wenn nicht, dann sollte man es lassen. Kein Spaß, kein Hobby. Generell denke ich, dass jedeR ein Hobby zum Ausgleich zur Arbeit benötigt. Und das viel zu viele viel zu sehr für die Arbeit als für das Hobby leben. Ich lebe um zu leben und gehe arbeiten, um mir mein Leben zu finanzieren. Ab und an muss ich dann auch mal aber ganz oft habe ich Spaß am Nichtstun. #allebekloppt

    • Schöner Kommentar. Danke.

      Dazu mein Lieblingszitat von Tolstoi

      Das Glück besteht nicht darin dass du tun kannst was du willst, sondern dass du willst was du tust!

    • Mal im Ernst, da ist was dran. Das gilt nicht für alle Menschen, aber der Moderne Büroarbeiter und selbstoptimierer ist schon dabei diese Kunst zu verlernen.

      Mal nix machen, unbewusst, ohne Aufforderung einfach mal in den Himmel starren oder die Natur beobachten. <3

  2. Super Beitrag! Ich gehe das derzeit auch so an – zumindest in Sachen Laufen. Man muss sich einfach ab und an bewusst werden, dass das alles ein selbst auferlegter Zwang ist. Vielleicht eine Art Ritual, aber auch dort muss man sich selbst erlauben das ändern zu dürfen.

    Für #in14tagenwiederleichtesjoggen, drücke ich Dir alle verfügbaren Körperteile! Ich habe für mich einen neuen Plan, der am 2. Juni beginnt. Bis dahin muss ich erstmal …

    • Ritual ist nur die nette Version des Zwang – positiver Zwang. Sind wir mal ehrlich, ohne Rituale und Zwänge funktioniert das Leben nicht, sich immer ausserhalb sozialer Normen aufzuhalten ist auch blöd. Zudem sind Rituale ein Weg ein einfacheres Leben zu haben … was (sinnvoll) ritualisiert ist, muss nicht mehr bedacht werden.

      Was auch immer bei Dir am 2. Juni passiert … es muss gut sein. Punkt :-)

  3. Ich hänge da bei den Gedanken von Sebastian. Ich habe in letzter Zeit mir meist auch mehr Druck gemacht. Und um ehrlich zu sein ist das Thema dann komplett nach hinten losgegangen. Den meist habe ich dann wirklich nichts gemacht, weil ich mir selbst Stress gemacht habe.

    Aktuell bin ich ganz froh keine Wettkämpfe direkt fest zu haben. Ich will jetzt erstmal meine Lust wiederfinden richtig. Das klappt bei mir am besten, wenn ich einfach mache was ich will.

    Von daher genieß die ersten Schritt und erwarte Nichts. ;)

    Gruß,
    mafis

    • Ich erwarte nicht nichts, denn ich erwarte mir Erkenntnisse. Ich erwarte mir aber keine Leistungen, Pace, KM, Entfernungen, Zeiten … nö … in Wirklichkeit bin ich fast 9 Monate nicht gelaufen.
      Der letzte Laufversuch war am 15. März – was ich erwarten kann ist Erkenntnis.

  4. Ich sag’s mal so: Das Gute am monatelangen Nichtsgetan-Haben (wenn man Deine Arzt-Arie als solches bezeichnen kann), ist, dass Dein notwendiges Maß an Bewegung für einen ordentlichen Endorphin-Schub gehörig gesunken sein dürfte… Schon wenige Minuten werden Dich dermaßen ausgleichen… Das spricht doch dafür, gar nicht so schnell wieder zu steigern!

    Spaß beiseite, ich wünsche Dir ehrlich, dass Du jede Sekunde in Bewegung genießen kannst!
    Und danke noch, dass Du meinen WAHHWO-Artikel verfacebooked hast :-)

    • Ja da ist was dran, weniger ist auf einmal mehr. So bin ich heute an einer 20% Steigung auf den letzten Metern mit ca. 4,5km/h fast umgekippt … am Ende hab ich mich gefühlt wie 170km Turboritt in der Gruppe ;-)

      Alles kommt zu seiner Zeit und vielleicht kann ich ja den Artikel nicht nur teilen sondern auch mal ein WAHHWO machen :-)

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  6. Pingback: #koelnpfad171 – Woche 18 › Trailrunnersdog - Weil 6 Beine einfach mehr Grip haben

  7. Ich finde, den wichtigsten Satz hast Du am Schluss geschrieben: die Dosis macht das Gift. Vollkommen korrekt. Das gilt für zu viel und für zu wenig…

    Schöne, dass Du wieder willst. Ist ja auch nachvollziehbar, nach einer Zwangspause. Zwing Dich, aufzuhören, bevor die Dosis zu hoch ist. Dann bleibt das Verlangen nach der nächsten. :-)

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