Eddy Merckx Classic Radmarathon 2014

Eddy Merckx Classic Radmarathon 2014 – 1.001 don’ts für den ersten Radmarathon

Es ist noch gar nicht so lange her, da stand ich Sonntag Morgen etwas früher auf um zu Laufen, manchmal stand ich mit ein paar Leute in Sportschuhen im Wald bzw. auch mal irgendwo im Industriegebiet. Vorne eine Startnummer, am Schuh ein Chip und hinterher ein alkoholfreies Weizenbier und vllt. etwas Kuchen.

Aus meiner Läuferperspektive sollte man meinen, dass es bei den „Anderen“ recht ähnlich ist. Die „Anderen“ sind die anderen Ausdauersportler, die Langläufer (?), die Schwimmer, die Triathleten … die Radfahrer! Die Quintessenz meines Sonntagsauflugs in das Salzburger Land kann ich aber schon vorweg nehmen. Radsportler sind anders – Läufer auch!

Der lange Weg zum Eddy Merckx Classic Radmarathon (lange und schmerzlos)

Manche Dinge sind einfach zu unglaublich um sie zu verschweigen (obwohl es besser wäre, genau das zu tun!), z.B. die Tatsache, dass ich quasi noch vor der Inbesitznahme meines Rennrades bereits eine bestätige Anmeldung zum Eddy Merckx Classic Radmarathon (wohlgemerkt die Langstrecke, also 168km) im eMail-Postfache hatte. Zu meiner Verteidigung ist aber zu sagen, dass einzig und allein Sportsfreund R. daran schuld hat und mich im weihnachtlichen Geschenke-, Feiertags- und Kcal-Taumel eiskalt mit einem Link zur Eventseite überlistet hat. Mit – im Nachhinein – durchschaubaren Argumenten lockte er mich zur Langstrecke … das Schicksal nahm seinen Lauf!

Zu diesem Zeitpunkt bin ich ziemlich genau 0 Meter auf einem Rennrad gefahren (Längen- nicht Höhenmeter) – Radsport kannte ich noch aus meinen jüngeren Tagen, als auf ARD noch Tour de France übertragen wurde. Eigentlich wollte ich das Rad als Ausgleich zum laufen, immerhin hatte ich gerade erst meine Knieprobleme überwunden. Das erste don’t war also schon in der Tasche noch bevor es losging.

Unpassenderweise verletzte sich Sportsfreund R. im Zuge der Rennradsaison und musst schon mehrere Wochen vor dem Termin seine Teilnahme absagen. Mein Rennradtraining pendelte auf und ab, aber richtig zufrieden war ich nicht. In keinem Monat schaffte ich jemals 1.000km+ und teilweise fuhr ich maximal 100km in der Woche. Neben der Motivation zur Rennteilnahme mangelte es mir offensichtlich auch an Training. Die Chance das EMC-Wochenende mit einer kleinen Wohltat für die Familie zu verbinden, brachte mich dann aber doch dazu teilzunehmen.

Der kurze Weg zum Eddy Merckx Classic Radmarathon (kurz und schmerzhaft!)

Nach allen Regeln die man so einhalten „sollte“, war der Drops schon gelutscht bevor ich auch nur einen Meter auf salzburgerischen Boden gerollt bin. Nach dem äußerst tollen und äußerst empfehlenswerten Frankenwald Radmarathon parkte mein Renner im Keller. Dank Jobstreß, Wetter und Urlaub verbrachte das gute Teil ziemlich genau 3 Wochen unter Tage. Die meisten Kilometer im August stammten von eben dieser RTF – zusätzlich hat im Urlaub noch die Kärntner Kulinarik zugeschlagen. 3 Wochen kein Training gepaart mit 3kg mehr auf den Rippen und nur noch 2 Wochen Zeit bis Tag X … da hilft nur eines:

Genau … absolut unkoordinierte Trainingsplanung! Immerhin durfte ich bei meiner ersten Ausfahrt nach dem Urlaub direkt am Hungerast nagen. Noch zweimal kam ich danach auf’s Rad bis eine Woche vor den Eddy Merckx Classic erst mein Sohn und dann ich anfangen zu husten. Also noch mehr don’ts.

Wenigstens einmal wollte ich vernünftig sein, also habe ich das Training auf das Minimum zurückgefahren. Dabei geholfen hat mir, dass ich diese Woche sowieso stress- und wetterbedingt keine Zeit zum Radfahren gehabt hätte. Wie man erkennen kann … alles optimal.

Das Problem ist nur – das habe ich inzwischen gelernt – Radsportlern geht es immer so. IMMER! Egal wie, wann oder wo man fragt … irgendwas ist stets gezerrt, geprellt oder amputiert worden. Ansonsten leiden sämtliche Radsportler durchgehend am Duengefieber und/oder Lupus … wobei sie ca. 10 Sekunden später sämtliche Watt die ihre Beine bieten können in ihr Arbeitsgerät hämmern um den Berg schneller als jedes eBike zu erklimmen. Also ziemlich schlechte Voraussetzungen dafür, dass mir jemand meine Stroy abnimmt. Armer Anfänger mit wenig Trainingskilometer – 3kg zuviel – Trainingsausfall plus Husten. Übersetzt man das von Deutsch auf Rennradfahrer bedeutet es wahrscheinlich: „Lass uns gemeinsam fahren – 35er Schnitt ist drin!“

Nicht vorhandenes Training ist kompensierbar!

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auf dem Weg

Der Vorteil an nicht vorhandnem Training ist, dass einem das Leben allerdings nicht so stark in die Quere kommen kann. Nachdem ich die Familie auf halben Weg abgesetzt und einmal übernachtet hatte, machte ich mich Samstag Nachmittag auf den Weg nach Eugendorf. Vorher wurde ich aber noch von meiner Frau mit einer wunderbaren Lebensweisheit beglückt. O-Ton klang das ungefähr so: „Du wirst Morgen leiden, soviel ist sicher!“ … naja, wer widerspricht seiner Holden in so einer Situation denn schon gerne.

Nachdem ich die letzten Tage noch mit mir gehadert habe mich eventuell doch noch auf die mittlere Distanz von gut 113km umzumelden, war der Entschluss auf dem Weg nach Salzburg aber bombenfest. All in or nothing!

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Startersackerl und Erfrischungsgetränk am Festgelände

Damit ich es mir nicht noch anders überlege geht es also schnell nach Eugendorf, schnell einen Parkplatz gesucht, schnell das Startpaket und die Genussbox (Käse, Wust, Wasser) abgeholt, kurz über die „Expo“ *hust* geschlendert und das allerwichtigste für die Moral erledigt.

Die Aufnahme des ersten isotonischen Sportgetränks am Wochenende. Prost! Das macht auch vergessen, dass es gerade erst geregnet hat. Allerdings ist es noch hell und – da ich nicht im Dorf selbst übernachte – es gibt noch die Chance wenigstens kurz vorher etwas Bewegung in die müden Beine zu bekommen. Also das Weizen schnell getrunken und ab ins Hotel. Aus Ermangelung eines Frühstücks, habe ich noch im Supermarkt das beste an Sportlerernährung was ich finden konnte mitgenommen (2 Bananen, 1,5 Liter Wasser, 1 Laugenstange und 200ml Kakao). Danach schnell einchecken und ab aufs Rad. Nach gut einer Woche sitze ich wieder am Bock und rolle relativ entspannt 50 Minuten an der Salzach entlang. Mein Bauchgefühl sagt mir … ich kann es überleben.

Um es mir nicht all zu einfach zu machen, checke ich nach dem duschen die Umgebung. Das Hotel, mitten im Industriegebiet, hat leider kein Restaurant, also bleibt ein McDonalds 150 Meter die Straße runter. Warum soll es auch immer Pasta sein. Als Ausdauersportler ist man immerhin ein Vorbild in Sachen gesunder und sinnvoller Ernährung – da findet man immer etwas sinnvolles! Also wähle ich mit Bedacht irgendwas (großes) mit Chicken, nehme eine Portion Pommes ohne Ketchup (spart kcal!) und trinke nur eine große Coke-Zero dazu. Um zu unterstreichen wie wenig ich das ganze ernst nehme, lasse ich mir für den Rückweg zum Hotel noch einen Schokomuffin und einen großen Cafe-Latte einpacken. Immerhin klappt es mit dem sortieren der Ausrüstung und dem rechtzeitig ins Bett gehen.

Kannibalentag

Sonntag Morgen 5:30 Uhr – mein Wecker am Smartphone klingelt. Das ich dafür nicht mal eine neue Weckzeit im Telefon einstellen musste, sondern die vorhandene nur aktivieren, versteht sich von selbst? Aus der Aufregung der letzten Tage ist so langsam Panik geworden. Aufstehen, Frühstücken, Wetter checken, Ausrüstung checken, Wetter checken, Klamotten anziehen, Wetter checken, aufgeregt im winzigen Hotelzimmer hin und her laufen, Wetter checken. Leider bin ich zu hibbelig um mir dem Ausmaß bewusst zu sein, dass sich meine Gesäßcreme ca. 380km weit entfernt befindet. Um kurz nach 6:30 Uhr verlasse ich das Hotel Richtung Eugendorf und bin so aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Natürlich verfahre ich mich erstmal – die vielen bunten Schilder die zu Parkplätzen weisen, waren wohl zu viel für mich. Dennoch bekomme ich einen und finde mich wieder in einer bunten Schar aus äußerst professionell und cool wirkenden Radrennsportlern.

Mit meinem 1.000 EUR Einsteigerrad und günstig geshoppter Ausrüstung plus quasi nicht vorhandener Vorbereitung komme ich mir leicht deplaziert vor, als die Typen neben mir, zwei Räder aus ihrem Auto wuchten, die zusammen wohl teurer waren als mein Firmenwagen. Aber egal, weder beim Laufen noch beim Radfahren trete ich an um irgendwas zu gewinnen. Nachdem ich meinen Minderwertigkeitskomplex mit einer Banane heruntergewürgt habe, denke ich an Sportsfreund S. – der mir (nach dem Hungerast-Drama) eindringlich den Tipp gab: „Denk an den Zucker!“. Ich belade mein Trikot und die Satteltasche mit Riegeln und Gels für ca. 3 Langdistanz-Triathlons hintereinander. Sicher ist sicher!

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Startblock B

Nachdem mich aber der Anblick der vielen anderen Radsportler doch langsam wieder nervös macht, beschließe ich aufs Rad zu steigen und mich auf die Suche nach einer Toilette zu machen und mich im direkten Nachgang in den passenden Startblock einzureihen.

Wieder wird es um mich herum voller, allerdings rede ich mir ein, dass hier im Startblock B, immer noch menschliche Wesen unter den gestählten Typen zu finden sind. Ehrlich gesagt sind vor allem viele Mittvierziger zu finden … und – schon wieder – Material das mir die Tränen in die Augen treibt. Nachdem ich mir selbst nochmals versichert habe, dass kein Euro der Welt mir auch nur eine Kurbelumdrehung abnehmen wird, bin ich ganz froh, dass es langsam auf unsere Startzeit zugeht und ich endlich etwas Rad fahren darf. 8:10 Uhr ist es so weit – der Startblock B rollt mir mir zusammen auf die große Runde durchs Salzburger Land.

On the road

Natürlich bin ich mir absolut meinem fehlenden Training und der Vielzahl an „don’ts“ bewusst. Also versuche ich von Anfang an Körner zu sparen um nicht das Ankommen zu gefährden.

Anfangs geht es gleich gut zur Sache – innerhalb der ersten 15km schraubt sich die Strecke auf über 1.000HM, das im Hinterkopf hilft mir die Kräfte gut einzuordnen. Bis zur ersten Abfahrt hänge ich an einer Gruppe Belgier, die wohl zu Ehren von Eddy Merckx hier mitfahren. Am ersten leichten Anstieg hab ich mich gefühlt im hinteren Drittel des Hauptfeldes eingeordnet.

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Abfahrt vom Gersberg

Bis zum höchsten Punkt habe ich allerdings schon 10-15 Leute eingeholt. Oben angekommen müssen viele erst mal verschnaufen, ich nehme mir die Zeit bei der Abfahrt und verliere somit erstmal eine Gruppe.

Mein Mehrgewicht (und der meines Rads) drücken aber kräftig und nach ein paar Kurven sehe ich eine Gruppe auf die ich anschließen kann. Hochschalten, Wiegetritt … Krach! Kette vorne abgesprungen inkl. unsanftem Aufprall auf dem Oberrohr. Immerhin kann ich trotz massivem Schreck das Rad bei gut 60 Sachen in der Spur halten und bremsen. Während ich die im Schaltwerk verklemmte Kette wieder zurecht friemele, schießen wieder einige an mir vorbei. Ich fahr 3-4km allein und kann wieder zu einer kleinen Gruppe aufschließen mit der ich zusammen bei der nächsten Abfahrt auf eine größere zufahre.

In der größeren Gruppe finde ich ein paar Leute, die wie ich etwas schneller unterwegs sind. Es geht durch das wunderschöne Almbachtal – ein Weg der wohl fürs Rennradfahren erfunden worden ist.  Ab hier treffe ich schon ein paar Fahrer, die mich bis zum Ziel hin und wieder begleiten werden.

Vorbei an der ersten Zwischenzeitmessung geht es Richtung Fuschl am See – aber bevor ich dort an der Verpflegungsstelle auftanken kann, steht nochmals ein fieser Anstieg, an dem die größere Gruppe ziemlich auseinanderfällt. Der Schrecken des Hungerasts vor zwei Wochen hat mich immer noch im Griff – brav esse ich pro Stunde einen Riegel, alle 20 Minuten beisse ich mal hinein. Dazu gibt es an der Labestelle noch etwas zu trinken. Deswegen halte ich mich auch nicht lange auf – ich ziehe die inzwischen unnötig gewordenen Armlinge aus und nehme mein Buff ab. Die Windweste lasse ich erst mal noch dran, immerhin habe ich den Husten noch nicht 100% überwunden.

Zusammen mit einem anderen mache ich mich wieder auf dem Weg, allerdings fährt er auch nicht mein Tempo. Bei KM 50 überkommt mich auf einem langen Stück auf einer Höhe ein ungutes Gefühl, dass ich erst mal eine lange Zeit allein fahren muss. So kommt es auch – die Strecke führt wieder zurück Richtung Ziel und die nächsten 20km fahre ich allein, zum Glück ohne Wind. Kurz vor dem Ziel überhole ich ein Duo, die allerdings auf der 60km Runde waren – mein Hinweis, dass ich jetzt noch 100km fahren muss und nicht mit ins Ziel abbiege, stößt auf leichte Irritation.

Glücklicherweise sammele ich bei KM 70 eine Zweiergruppe auf – im Nachhinein erfahre ich, dass sie fälschlicherweise durchs Ziel gefahren sind. Die Zusatzschleife ist wohl der Grund, warum ich aufholen konnte. Wir versuchen uns im belgischen Kreisel, allerdings übertreibe ich etwas. Schlecht für die beiden, gut für die Gruppe, denn wir schließen zu zwei weiteren auf.

Im mittleren Streckenteil verläuft die Strecke relativ gemäßigt auf weitläufigen Straßen – durchaus Zeit für etwas Tempo bis zur zweiten Verpflegung. Zu dem Zeitpunkt läuft es bei mir sehr gut. Meist wechseln wir uns in der Gruppe gut ab, wir versuchen auch alle beisammen zu halten, trotzdem brechen immer wieder mal einzelne Fahrer raus. An einem Anstieg bei KM 100 geht es mir ähnlich – allerdings ist die Motivation allein im Wind zu fahren gering, also bleibe ich dran.

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nach diesem Anstieg, waren die Mitfahrer verschwunden

Nach und nach steigt die Zahl am Tacho und bei meinem bisherigen KM-Maximum steht die dritte Verpflegung an. Die Posten dort wissen zu motivieren. Es seien nur noch 1.000HM von hier bis ins Ziel. An meinem Edge stehen knapp 1.400HM … dennoch trägt das nicht zur allgemeinen Erheiterung bei. Diesmal fahre ich wieder mit meiner Gruppe los, kann allerdings nur 5-6km folgen. An einem Anstieg kämpfe ich gegen Krämpfe in den Waden und muss soviel  Tempo rausnehmen, dass ich sämtlichen Sichtkontakt nach vorne und hinten verliere.

Leicht demotiviert kurbele ich durch das hügelige Gelände. Die Strecke wird hier eindeutig wieder ansehnlicher, während Hügel nach Hügel die noch zu absolvierenden 1.000HM spürbar dezimieren. Leider habe ich keine rechte Orientierung und fahre stur von Schild zu Schild.

Da ich das Höhenprofil im Kopf habe, weiß ich, dass noch ein fieser Anstieg droht – nur nicht wo. Nachdem mich glücklicherweise ein Polizist in eine Abzweigung einweist (sonst wäre ich daran vorbei gefahren) deutet sich der Anstieg an. Die Straße wird schmal und verschwindet im Wald.

Fotogesicht nach 130km, frisch 160HM hochgestrampelt

Fotogesicht nach 130km, frisch 160HM hochgestrampelt

Bergauf zieht eine Menge Carbon an mir vorbei – immerhin ein Vorteil hat das ganze. Das Fluchen von vorne verdeutlicht mir schon vor der nächsten Kurve, das es weiter bergauf geht…und weiter … und weiter.

Tatsächlich genau an dem Punkt steht ein Fotograf, für die Show mache ich ein entspanntes Gesicht. Muss ja keiner wissen, dass ich schon wieder mit Krämpfen kämpfe.

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dynamisch bergab

Aber wo es hoch geht, geht es wieder herunter – ein Banner warnt vor einer gefährlichen Abfahrt. Daran, dass auch auf der Abfahrtseite ein Fotograf lauert liegt es nicht. Immerhin sehe ich dort noch dynamischer aus (so dynamisch sehe ich im Regelfall nicht mal gut erholt aus). Im Gegensatz zu den beiden, die mich vorher überholt haben kann ich aber die Abzweigung nehmen – also das Banner war zu Recht aufgehangen.

Dann folgte das unschönste Stück der Strecke, bis Mondsee geht es auf einer Bundesstraße entlang. Die restlichen Verkehrsteilnehmer sind wohl nicht so begeistert von den Rennradfahrern. Neben gefährlichen Überholmanövern schießt vor allem eine Gruppe Motorradfahrer an uns vorbei und reißt auf unserer Höhe den Gashahn auf. Sorry … aber so pubertärer Mist kann mir wirklich gestohlen bleiben.

Ab da fuhren wir zu Dritt quasi bis ins Ziel. Das war auch gut so, denn es kam Wind auf. Bei der letzten Labestelle genehmigte ich mir noch eine Cola-Schorle bevor wir in einer 4er-Gruppe fröhlich kreiselnd Richtung Ziel fuhren. Nur noch 15km und die Sicherheit, dass ich den Radmarathon schaffen werde war Motivation genug.

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müde „Sieger“pose

Die letzten KM kannte ich schon von der ersten Schleife, also habe ich mir für den letzten Anstieg noch etwas Kraft gespart, bis wir dann nach 6 Stunden und 42 Minuten ins Ziel eingefahren sind.

Letztlich ist es schon erstaunlich, wie schnell der Körper von Schmerz auf Entspannung umschaltet. Keine 5 Minuten später stand ich fachsimpelnd neben der Zieleinfahrt mit einem alkoholfreien Weizen. Zielzeit war vergessen und auch die Tatsache, dass ich wohl ziemlich weit hinten eingefahren bin.

Dank gegenseitigen bemitleiden und fachsimpeln sah ich alles wieder ziemlich schnell ziemlich positiv und vor allem relativ. Der Sieger war gut 2 Stunden und 10 Minuten schneller – was kümmert es mich, wenn ich jetzt eine oder zwei Stunden langsamer bin. Quasi ohne Training und mit einigen Vorbereitungsfehlern hab ich das Ding in der Tasche und während ich mit dem Weizenglas in der Sonne stehe keimt irgendwo im Hinterkopf schon die Frage wo der nächste Radmarathon in den Bergen stattfindet.

Wo ich bin, ist hinten

Die reinen Zahlen sprechen nicht für sich sondern eher gegen mich. In meiner Alterklasse habe ich Glück, 101ter von 114 ist wirklich keine Glanzleistung. Auch im Gesamtklassement finde ich mich im hinteren Drittel wieder. Viele Mittfünziger mit kräftig Bauch, dazwischen ich. Zum Glück muss ich mir nichts beweisen, sonst wäre ich deprimiert.

noch gibt es was zu Essen

noch gibt es was zu Essen

Stattdessen dusche ich und versuche schnell noch etwas zu essen zu bekommen. Die offizielle Besenwagenzeit ist zwar 16:30 Uhr, allerdings wird um mich herum schon abgebaut als ich um 16:00 Uhr mein Schweinekottelet esse. Kuchen ist auch kaum noch da … und eine Alternative zum Kottelet gab es auch nicht mehr. Nun gut – die meisten auf Mittel- und Langdistanz kamen eben früher an. Dennoch ist mein Fazit positiv, traumhaftes Wetter, schöne Strecke und eine für mich tolle Leistung. Die Organisation ist erstklassig – auch nach weit mehr als 5 Stunden waren kritische Kreuzungen noch besetzt und wurden eingewiesen.

Zwar habe ich noch ein paar don’ts erkannt (wer kann schon ahnen, das man in diesem Sommer tatsächlich Sonnencreme brauchen könnte), dennoch hat dieses kleine Himmelfahrtskommando so gut geklappt, das ich es tatsächlich nochmals machen würde. Klar macht so ein Radmarathon mit mehr Training bestimmt auch mehr Spaß – dennoch ist es ein zufriedenstellendes Gefühl quasi aus der Grundlagenausdauer heraus mal eben fast 7 Stunden auf dem Rennrad zu sitzen – und ein Nettoschnitt von 25km/h finde ich jetzt auch nicht ganz so schlimm.

Organisation top, Rennradregion Salzburg top, Eddy Merckx Classic 2014 top! Ein toller Tag in toller Umgebung mit vielen Gleichgesinnten – von quasi wildfremden zum Bier eingeladen werden habe ich bei Laufveranstaltungen noch nicht erlebt, zudem findet man bei so einer Veranstaltung (bzw. dort wo ich unterwegs bin) wenig Rennrad-Extremisten. Die fahren sich vorne alle die Zunge aus dem Hals, während hinten Satteltaschen oder unrasierte Waden zum Alltag gehören und Aluräder wie meines direkt neben 10x so teuren S-Works fröhlich durchs Salzburger Land rollen.

Radrennfahrer sind eben anders – Radmarathon ist anders … aber das ist auch gut so und es macht durchaus Spaß in beiden Welten hin und wieder unterwegs zu sein. Den Flausen im Kopf haben die Eddy Merckx Classic auf jeden Fall keinen Abbruch getan. Bereits wenige Stunden nachdem ich wieder zu Hause war fand ich mich auf Zubehörseiten und bei Rennradherstellern und es sind schon wieder zwei Radrenntermine auf meine Ideenliste gewandert. Allerdings hat mich meine Frau mit einem Seitenblick an Ihre Mahnung interessiert … wahrscheinlich hatte ich es gleich falsch gedeutet, vom Leiden während des Radmarathons war nicht unbedingt die rede, aber hinterher? ;-)

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