Erkältung Taschentuch

Die Erkältung und des Läufers (Un-)Vernunft

Erkältung Taschentuch Eulen

Voller Hohn betrachten die Eulen auf der Taschentuchpackung den erkälteten Läufer!

Meistens ist es ja weiß, aber für den Läufer ist das Taschen- oft ein rotes Tuch, verheißt es doch nichts Gutes.  Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen & Co. sind nur eine nette Umschreibung dessen, was ein Läufer empfindet … in des Läufers Augen sieht es ganz anders aus: Entsagung, Verdammnis … Fegefeuer. So oder so ähnlich lässt sich das umschreiben und wird unter einem Wort summiert, welches den Läufer noch mehr peinigt als Nordic Walker oder Nachbars Lumpi: Laufpause!

Was ist schon vernünftig?

OK, ich geb’s ja zu – ich habe in der Einleitung etwas übertrieben und vor allem habe ich generalisiert. Die Erkältungssaison hat ja noch gar nicht wirklich angefangen, aber bald tummeln sich wieder in Internetplattformen zum Thema Laufen die Leute die sich von Wildfremden die Absolution holen möchten, doch nur mal schnell eine kleine Tempoeinheit einzulegen, trotz Antibiotika oder so einen kleinen Marathon mit Infekt zu laufen.

Wäre es wie oben beschrieben wäre die Welt „perfekt“, aber sicher auch etwas eintönig. Ich selbst mag unsere Vollkasko-Gesellschaft auch nicht wirklich. Man kann nicht überall so vorsichtig sein, dass nichts passiert. Wer am alltäglichen Leben teilnimmt lebt in der Regel gefährlich, aber er erlebt auch etwas.

Nun gibt es eben genau diese Unvernunft in Läuferkreisen und bereits letzten Winter, als ich teilweise im 2-Wochen-Rhythmus einen anderen Infekt hatte, fragte ich mich schon… lohnt sich die Laufpause, was passiert wirklich, wie gefährlich ist es.

Erkältung und Sport, passt das zusammen?

Wer Google anwirft bleibt – wie so oft – ratlos zurück. Zwischen Apothekenumschau und sportwissenschaftlichen Studien wird man hin und her geworfen. Leichte Belastung sei für eine Erkältung förderlich einerseits … Herzmuskelentzüdung andererseits. Wie soll man sich da ein vernünftiges Bild machen, was man eingehen kann/will/darf/soll und was nicht?

Ich möchte es einmal anders herum versuchen. Zum einen bin ich kein Moralapostel – wir sind alle erwachsene Leute und treffen unsere Entscheidungen selbst. Selbst wenn wieder ein neuer Todesfall die Amateuer-Ausdauersportler schockt, heißt das nichts … selten bis nie erfährt man die Hintergründe ebenso wie ggf. auch Leute gesundheitliche Schäden davontragen während sie außerhalb der Öffentlichkeit von Wettkämpfen an Spätfolgen nicht auskurierter Krankheiten betroffen sind.

Warum läufst Du … und macht das mit Erkältung überhaupt noch Spaß?

Mein Ansatzpunkt, mit dem ich mich eigentlich selbst kurz vor dem Anziehen von Laufschuhen bei Erkältung noch überzeugen kann ist ein anderer. Keine Moralität, keine Angst-Keule aber auch keine Verharmlosung, sondern eine einfache Verschiebung der Perspektive:

Ich vernünftig: „Warum läufst Du eigentlich?“

Ich unvernünftig: „Weil es mir Spaß macht und ich mich dabei gut fühle, darum möchte ich jetzt auch raus und mich gut fühlen!“

Ich v.: „Fühlst Du Dich denn jetzt gut?“

Ich u.: „Nein, ich bin müde und schlapp … aber das geht beim Laufen bestimmt weg!“

Ich v.: „Aber Du läufst doch eigentlich für Dich selbst und für niemand anders, oder?“ 

Ich u.: „Ja, nach klar! Darum will ich jetzt auch raus … sonst verpasse ich eine Trainingseinheit!“

Ich v.: „Aber wenn Du doch für niemanden weiter trainierst und vor allem Spaß am Laufen haben möchtest, was verlierst Du wenn Du jetzt auf der Couch bleibst?“

Ich u.: „Na ich verliere eine Trainingseinheit, ich gerate in Trainingsrückstand – erreiche vielleicht mein Ziel nicht, das ich mir gesetzt habe!“

Ich v.: „Das ist aber doch Quatsch, du läufst nur für Dich, niemand bezahlt Dich dafür, niemand erwartet etwas von Dir, nimm Dir doch einfach die Zeit und werde gesund. Ein kranker Körper ist eh nicht in der Lage den Trainingsreiz umzusetzen“

usw.

Ihr seht was ich meine. Natürlich rede ich im Regelfall nicht mit mir selbst, aber dieses schicke Stilmittel verdeutlich hoffentlich was ich meine. Wir alle, die wir Hobbyläufer, Amateur-Athleten usw. sind … betreiben unseren Sport auf einer einzigen Basis, der Freude an der Bewegung. Dafür brauche ich kein Sportgerät sondern meinen Körper und der funktioniert nur wenn man gesund ist.

Wer früher fit ist, ist länger auf den Beinen

Wessen Auto in der Werkstatt ist, kann eben gerade nicht damit fahren, sondern der plant um und das ist es auch, wo ich am Ende doch wieder lande. Ob das jetzt sonderlich „vernünftig“ ist, vermag ich nicht zu sagen – es ist meine Einstellung dazu. Viele treiben dennoch Sport, sicher haben Sie eine ebenso ausgeklügelte Argumentation dafür wie ich dagegen. Ich fühle mich deswegen auch nicht überlegen … nein im Gegenteil, jedes mal wenn ich erkältet bin hadere ich wieder von neuem damit.

Allerdings habe ich eben noch viele viele Jahre in denen ich meine Ziele erreichen kann, sollten sie überhaupt durch 1-2 Wochen Zwangspause gefährdet sein. Klar irgendwann wird man unleidlich, wenn man nicht raus kommt, aber – das habe ich im Februar für mich herausgefunden – auch ein langer Spaziergang ist mal etwas wert, teilweise findet man im Wald so interessante Trails o.ä.

Ich jedenfalls trage meine (Taschentuch-)Eulen nicht nach Athen, ich nehme sie mit auf die Couch und werde mich weiter brav auskurieren damit bei meinem nächsten Lauf auch wieder der Spaß dabei ist… und ganz ehrlich, der vorherige Entzug macht selbst nach wenigen Tagen Laufpause den ersten „richtigen“ Lauf schnell wieder zu etwas besonderen.

 

Posted in Drumherum.

8 Comments

  1. Ohje – das mit den Selbstgesprächen kenne ich zu gut… Die eine Ariana meint, ich soll doch schneller rennen, und härter trainieren, so bringt das nichts. Und die andere Ariana meint, ich mache doch primär für mich Sport und sollte es daher geniessen :-)
    Ich finde es sehr gut, dass Du Dich erst einmal komplett auskurierst!

    Ganz Gute Besserung Dir!
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Schlußendlich ist diese Argumentation natürlich nie schlüssig, denn ansonsten würde man sich auch nicht steigern müssen und Zeitziele bei Wettkämpfen wären auch Quark, aber Ziele sind das eine … die Einhaltung in bestimmten Zeitfenstern das andere.
      Wenn man mal bedenkt, wie viele große Läufer dieses Jahr Große Veranstaltungen abgesagt hatten oder ausgestiegen sind, ist das vielleicht auch eine Lehre für uns Freizeitsportler … es bringt eben gar nix auf Biegen und Brechen etwas durchzuboxen.

      Viele Grüße
      Daniel

  2. Eiserne Regel Nr. 1: Wetter gilt nicht als Grund, das Training ausfallen zu lassen (Ausnahme Nr. 1a: Sturm; Ausnahme Nr. 1b: Sintflut)
    Eiserne Regel Nr. 2: alle Krankheiten, die sich oberhalb der Schultern eingenistet haben, gelten nicht als Grund, das Training ausfallen zu lassen (Ausnahme Nr. 2a: der Allgemeinzustand ist aufgrund anderer Einflüsse zusätzlich schlecht; Ausnahme Nr. 2b: komplette Verstopfung aller Atemwege)
    Eiserne Regel Nr. 3: Vernunft ist keine Lösung

    Ich denke, Du könntest mit 2a davonkommen ;-)

    • Ich lieg/lag irgendwo bei 2b ;-)
      Vernunft ist ja auch keine Lösung weil sonst 1 bis 1b aus Ausreden gelten würden. 1a gilt zum Beispiel bei mir nicht während ich ganz sicher 1c = Gewitter hinzufügen würde.

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