es ist kompliziert

Huhu ich bin’s mal wieder, der Blogger Typ der nicht mehr so viel bloggt. Heute habe ich aber wieder mal ein Thema, allerdings kein besonders mitreissendes, aussergewöhnliches.

Viel mehr ist es ein typisches, altes, oft dagewesenes. Dazu noch eines, das ich nicht wirklich wieder zurück in meinem Blog erwartet habe. Aber dafür ist das Teil ja da. Die Zugriffszahlen auf den Blog sinken ständig, da ich keinen neuen Content mehr biete. Das ist für mich OK, immerhin ist Endurange.com ein Herzensprojekt. Ich kann, will und muss damit kein Geld verdienen – ich habe keine Verpflichtungen, also was solls. Dafür kann ich dann auch mal einfach so einen Beitrag hier reintippen.

Wer hier dennoch mitliest und vielleicht auch Twitter-Follower ist, hat vielleicht mitbekommen, dass ich das ein oder andere in meinem Leben, Denken und Handeln verändert habe in den letzten Monaten. Absolut zum Guten würde ich sagen. Achtsamkeit, Freude und Zufriedenheit hat das zur Folge. Ich habe die wunderbarsten Dinge im Alltäglichen erlebt und mich über Sachen gefreut die ich vorher sehr lange Zeit nicht bemerkt hatte. Ich war voller Energie unterwegs – teilweise war es mir selbst schon unheimlich.

Aus diesem Grund schreibe ich auch diese Zeilen, nicht weil ich an die #mimimi-Zeiten von früher anknüpfen will und in alte Muster verfallen. Der Blogkommentar von Laufer-Ei Harald hat mir sehr gut gefallen, ich schreibe hier wenn ich etwas zu sagen habe, heute habe ich etwas zu sagen … vielleicht erst mal nur mir aber wer will darf das gerne lesen.

Letztlich agiert man stets mit seinem Umfeld, der Mensch ist ein soziales Tier. Soziale Interaktion ist keine Einbahnstraße, egal wer das von sich behauptet – man beeinflusst und wird beeinflusst.

Da draussen sind sie, die negativen Menschen, denen man nicht entgehen kann … nein, auch gar nicht muss. Damit meine ich nicht die Neo-Cons, die Neurechten, die Verschwörungstheoretiker, PEGIDAS, Trumps und Extremisten … die sind die Spitze des Eisbergs. Aber in der Welt sind sie unterwegs, die Dauergrummler, die Immer-schlecht-drauf-seier und die Allem-gegenüber-Misstrauer. Die Energie mit der sie ihre Bedenken, negativen Gedanken und Zweifel sähen ziehen sie aus den Menschen, denen sie ihre Theorien, Meinungen & Co. erzählen.

Sicher weil ich vieles geändert habe fällt es mir viel häufiger auf. Wenn man wachsamer durch die Welt geht, schlägt auch das innere Motz-o-Meter schneller aus. Während mir früher alles offensichtlich egal war (meinte ich), lasse ich mich heute weniger schnell aus der Fassung bringen, bemerke aber wie mich manchmal diese negativen Gedanken wie ein Dauerfeuer treffen.

Heute war so ein Tag, an dem ich einfach nicht so bei der Sache war. Im Job bin ich aktuell ziemlich eingebunden, ich arbeite viel. Seien wir ehrlich … ich arbeite zu viel. Heute war ich müde und anfällig, das Motz-o-Meter war wohl gerade ausser Betrieb und ich bin voll in die Negative-Gedankenfalle einer anderen Person gestürzt und habe es erst jetzt mehrere Stunden später gemerkt.

Nun lasse ich die typischen Gedanken einmal weg und konzetriere mich auf die Fakten, auf die Realität, auf das was mir wirklich wichtig ist. Ich lasse das weg, was das motzen mit mir gemacht hat – übrig bleiben aber ein paar Fragen die nicht ungestellt bleiben sollten.

Aktuell ist es kompliziert. Meine Beziehung zum Sport – mein Fokus zu meinen Zielen.

Ich weiß aktuell nicht wie ich das bewerten soll. Nachdem ich inzwischen die weiche Leiste erfolgreich überwunden habe und neue Ziele gesetzt habe, erscheinen sie mir nach den letzten Wochen so weit weg zu sein. Realistisch und fair betrachtet, werde ich bis zum METM im Job nur wenig Entlastung haben. Die ersten Dinge und Entscheidungen habe ich zum laufen gebracht und ich bin keinesfalls am Ende mit meinem Latein, aber es geht um realistische Einschätzungen.

Mein Sportpensum ist wieder hochgefahren im Februar. Ich kann zufrieden damit sein. Der Langlauf hat mir sehr geholfen und ist ein super toller Urlaub für Körper und Geist, am Wochenende. Dazu bin ich erstmalig konsequent an einem Kraft-/Stabi-Trainingsplan dran, der auch schon wirkt. Gelaufen oder geradelt wird selten. Es geht aber voran – ich bin super zufrieden und fühle mich damit top. So strukturiert und planvoll bin ich schon lange nicht mehr vorgegangen … bedenkt man, dass ich 10-12h am Tag aktuell mit Arbeit zu tun habe muss ich mir fast nochmals auf die Schulter klopfen. Dafür bin ich stets gut ausgeschlafen, habe keine Überlastungserscheinungen. Ich bin total zufrieden.

Allerdings – mehr geht kaum. Lange Läufe? Keine Ahnung wann? Treppentraining spezifisch? Kriege ich nicht unter. In der #KCHNCRW sind wir uns einig, wir gucken das wir Spaß haben. Ob mein Pseudo-Cross-Training hier funktioniert? Vielleicht tut es das sogar … wäre cool.

Nur habe ich neben diesem schon irren Ding noch einige andere Pläne geschmiedet. Ich möchte privat Bayreuth laufend umrunden – im Training für den ZUT Supertrail und im August den Karwendelmarsch laufen.

Denke ich an diese Dinge wird mir aktuell flau im Magen. Passt das zusammen? Es ist Februar und ich habe noch keine 200 Laufkilometer zusammen und will 2x Ultra laufen … in den Bergen? Habe ich mir hier nicht zu viel vorgenommen? Ich wusste nicht was auf mich zu kommt – als ich das geplant hatte, sah es noch anders aus.

Andererseits habe ich schon mehrere große Ziele an Arbeitsbelastung oder Gesundheitssituation „geopfert“ – hier fangen dann meine negativen Gedanken an. Will ich wirklich schon wieder eine große Planung über den Haufen werfen. Abgesagte Läufe/Events hatte ich jetzt schon genug. Ich habe in einer Frustreaktion vor kurzem gesagt, wenn ich wieder die großen Dinger absagen muss, werde ich mich bei keinen Events mehr anmelden.

Nun sagen einige bestimmt… na und? Geht auch ohne. Ja geht auch ohne … aber ich mag die Dinger, ich mag es die Leute zu treffen, Spaß zu haben, abzuschalten. Die Läufe, RTFs & Co. sind wie Urlaub – euch da draußen zu treffen ist einfach purer Spaß. Will ich mir das versauen, weil ich zu groß gedacht habe? Habe ich es übertrieben? Soll ich es durchziehen und riskieren, dass der Ritt auf der Rasierklinge diesmal schief geht?

Ich habe 2016 trotz OP wahnsinnig viel erreicht. Mehr als manche Leute mit hartem Training überhaupt schaffen. Das ist ein Geschenk und dafür bin ich dankbar, ich habe aber mehr als das bekommen – auch die tollen Gespräche, die Lacher, die gemeinsamen Events mit coolen Leuten die irgendwie so sind wie ich.  Es war ein Ritt auf der Rasierklinge, die ging gut.

Hier und heute bin ich so fit wie seit wahrscheinlich 2 Jahren nicht, obwohl ich keine 40h pro Monat kontinuierlich trainiere oder 200km laufe. Ich bin anders fit – auch weil die Rahmenbedingungen aktuell anders sind, neuer Job, aktuell andere Situation, die Familie hat sich auch verändert … der Sohnemann ist immerhin in der Schule. Aber reicht das?

Habe ich mich von den negativen Gedanken so sehr anstecken lassen, dass ich plötzlich an meinen Planungen dieses Jahr zweifle oder sollte ich mir ernsthafte Gedanken machen und anders vorgehen? Aktuell habe ich so ein Bauchgefühl… die sind meist OK … ich muss da nochmals in mich gehen, der erste Schritt ist hiermit getan.

 

Posted in Drumherum.

2 Comments

  1. Mein lieber Freund,

    Ich kenn die Gedanken. Ich lass mich davon auch gern mitreißen. Ich stifte dazu selbst manchmal an. Ich gestehe. Ich motze gern und viel. Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass ich durch das teilweise unmöglich dreiste Verhalten meiner Mitmenschen eine immer niedriger Toleranzschwelle gegenüber Dreistigkeit, Unverschämtheit und Dummheit habe. Ich explodiere dann förmlich in einem Flächenbombardement des Motzens. Manchmal ist das ein reinigendes Feuer und ich kann die freigewordene Energie nutzen um mein Umfeld von negativen Dingen und Individuen reinigen. Das Feld muss umgeackert werden, bevor man es neu bestellt. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass mein ehemals sehr großer Freundeskreis sich nun auf Einzelfreundschaften reduziert hat. Ich empfinde das nicht mehr als Verlust. Ich ärgere mich über Dinge, Leute, Verhalten. Betrifft es mich persönlich ziehe ich daraus Schlüße.
    In ungefähr einem Jahr beginnt mein nächstes Projekt mit dem Bau. Dann wird es mir ähnlich gehen wie dir jetzt. Deshalb brenne ich dieses Jahr noch jedes Sportfeuerwerk ab, dass es abzubrennen gibt. Denn sind wir mal ehrlich. Vieles geht für uns inzwischen aus dem Stand und manches geht durch reinen Willen. Du hast das letztes Jahr bewiesen. Mit fast keinem Training den Berlinmarathon finishen in einer Zeit die manche durch Training nicht erreichen können. Das ist eine Leistung mein Lieber!
    Du musst den ZUT ganz sicher nicht chanceln, schau wie es sich entwickelt, fühlst du dich fit an diesem mysthischen Wochenende im Juni, dann gehen wir zusammen an den Start. Bist du fit, aber sorgst dich um zu wenig lange Einheiten, dann melden wir dich runter auf den BasetrailXL und treffen uns an VP7. Und um Bayreuth können wir auch Wandern. Dann brauchen wir eben 20 Stunden. Na und? Geht es gerade beim Trailrunning nicht um die Zeit in der Natur? Die Ruhe und die gemeinsame Zeit mit Gleichgesinnten?
    Ich finde es nur konsequent von dir das zu thematisieren, offen zu sagen „ich weiß nicht ob ich das kann!“ und auch die Konsequenz zu benennen. Ich finde Ehrlichkeit und Authentität besonders in unserem Bereich wichtig und unabdinglich.

    Wenn du mal ein Bier, Wasser oder Tee und ein Ohr brauchst… ich weiß wo du wohnst ;)

    Flo

    • Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Nicht nur wegen solchen ernstgemeinten Kommentaren sondern auch wegen Menschen wie Dir will ich mir doch die Wettkampflauferei gar nicht erst abspenstig machen lassen.
      Die sportliche Leistung – egal wie gut oder schlecht – ist nur eine nette Nebensache. Für mich ist es genau so wichtig, Leute zu treffen die eben ganz normal sind … so normal wie du und ich ;-)
      Und während ich deine Zeile so gelesen habe, dachte ich mir … ich wollte doch mit dem Flo die ganze Zeit mal wieder gemeinsam laufen … aber immer nur aufgeschoben. Wie doof ist das denn – ich melde mich bei Dir und wir laufen mal wieder gemeinsam. Dafür machen wir das doch irgendwie auch ;)
      Danke nochmal für den super Kommentar … den sollte man sich einrahmen
      VG

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