Laufen im Herbst

Herbstdepression vs. Herbstprogression

Laufen im Herbst

wer es noch nicht kennt: Herbst

Es ist schon komisch, als mir der Titel für den heutigen Eintrag bei meinem langen Lauf eingefallen ist, sollte er noch Herbstprogression statt Herbstdepression heissen, aber von dem tollen Longjog inkl. 6KM feinster Endbeschleunigung bis zum Schreiben dieses Beitrags liegt ein Tag und ein Immunsystem, dass den aufkeimenden Herbst zum Anlass nimmt, mich mal wieder auf die Couch zu schicken.

Zusammen mit dem Titel wäre auch der Inhalt etwas anders ausgefallen, ich wollte nämlich ein Loblied auf den Herbst anstimmen. Während ich letztes Jahr noch nicht wirklich lang genug Läufer war, kann ich aktuell das Wetter und die Jahreszeit genießen. Letztes Jahr kämpfte ich noch mit meinem Einsteigerplan und lief 3x pro Woche insgesamt um die 25km. Diese Woche stehen in Runalzye  4 Einheiten mit 58WKM. Letztes Jahr war ich mir noch unsicher, ob ich überhaupt meine Motivation über den Winter retten könnte … aktuell Schmiede ich schon Pläne die einen Grundlagenwinter beinhalten. So ändern sich die Zeiten.

Zudem besteht meine Sammlung an Sportbekleidung inzwischen aus praktischen Regen- und Softshelljacken, wasserdichten Basecaps und funktionellen Buffs und Mützen. Je nach Wetter, muss ich eigentlich nur noch loslaufen.

Faszination Jahrszeitenwechsel

Welcher Jahreszeitenwechsel kann auch sonst mehr faszinieren? Von Winter auf den Frühling – klar, weil sich einfach alles verändert. Aber Frühling zu Sommer fällt in Deutschland meist nass aus und freiwillig begrüßen maximal Wintersportler den Wechsel vom Herbst zum Winter.

Den Herbst kommen sehen, heisst für mich schon immer draussen sein, Natur erleben. Die letzten warmen Tage genießen und der Natur zusehen wie sie bei angenehmen Wetter ihr Erscheinungsbild ändert. Die ersten Felder werden abgeerntet und es riecht nach Stroh – ein untrüglicher Bote. Die umgepflügten Böden riechen nach frischer Erde. Der Wind weht langsam wieder stärker aber die Temperaturen sind noch OK. Auch wenn es regnet, ist es oft noch angenehmer als der Frühjahrsregen… und irgendwann kommt’s Schlag auf Schlag. Das Laub färbt sich, die Tage werden immer kürzer .

Meine Faszination hierfür schlägt sich auch in meiner Motivation nieder.

Motivator Herbst

Viele Läufer haben ihren Saisonhöhepunkt im Herbst. Bald starten die großen Deutschen Herbstmarathonläufe für die aktuell schon im Endspurt trainiert wird. Ich persönlich habe auch mein zweites Saisonhighlight und den „offiziellen“ Saisonabschluss im Herbst – nämlich am 3. Oktober.

Aber daran alleine kann es nicht liegen. Seitdem sich der Sommer verabschiedet wächst wieder die Lust mehr oder auch anders zu trainieren. Ein anderes Beispiel ist auch mein Stabitraining. Trotz wiederholter Beteuerungen habe ich es nämlich nicht hinbekommen über den Sommer zu trainieren. Und auf einmal ist sie wieder da … die Lust auf Stabitraining, einfach so von heute auf Morgen.

Ein weiteres Beispiel war der heutige Lauf. Die ganze Woche verlief erstaunlich locker – ich habe einige neue Trainingseinheiten ausprobiert, die ich so und in dieser Konstellation noch nie kombiniert hatte. Nach dem überraschen geringen Umfang im Urlaub – der vor allem durch die langen Läufe getragen war – stand also diese Woche die zweite volle Trainingswoche an.

Auf dem Plan standen knapp 20km aus denen mit Ein- und Auslaufen 21 wurden – 13km relativ langsam unt 6km Endbeschleunigung. Wobei diese lt. Plan mit -10Sek/km ausfallen sollte, aber es lief alles so locker und leicht, dass ich die Endbeschleunigung progressiv von 5:40 auf 5:15 und somit von -25Sek/min auf -50Sekt/min laufen konnte.

Geht das schon wieder los?

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, waren Keime. Kleine fiese Dinger. Viren oder Bakterien … die in Kindergärten gezüchtet werden, nur mit dem Ziel Kinder vor der Welt abzuhärten und deren Eltern in den Wahnsinn zu treiben. Mein Sohn wechselte zum September von der Krippe in eine Kindergartengruppe. Nachdem wir das erste Krippenjahr zum Ende hin fast ohne Erkältungen überstanden haben (ich dafür aber über den Winter öfter krank war als in den letzten 2 Jahren zusammen) scheint es jetzt wieder von vorne los zu gehen.

Nach nicht mal 2 Wochen Kindergarten ist unser kleiner heiser und leicht verschnupft. Wie so oft, ging das eine Woche lang gut. Ich hatte irgendwie schon Freitags das Gefühl, dass ich mir etwas geholt haben könnte. Aber das verflog ganz schnell. Heute haben aber wohl die kleinen gemeinen Viecher den berühmten Open-Window-Effekt genutzt um sich auch bei mir einzunisten.

Das schlimmste an solchen Infekten ist eigentlich die schlechte Laune, die bei mir damit einhergeht. Vor allem nach dem „Horror-Winter 2012/2013“ bin ich auf jegliche Infektzeichen meines Körpers gar nicht mehr gut zu sprechen. Nicht nur, dass ein großer Teil meines Umfelds mir regelmässig erzählt, dass ich als Läufer ja gar nicht mehr krank werden könne …  nein, auch das Internet führt regelmässig Tricks und Tipps für ein aktives Immunsystem und gegen Erkältungen die ich so gut wie alle abhaken kann.

Leider wurden die ganzen Tipps und das Palaver wohl unter Ausschluß von Kleinkindern ermittelt. Das ist eben einer der Punkte, die man nicht einplanen kann. Trainingszeit ist das eine, aber Ausfallzeit kann man nicht vorhersehen. Ein Punkt der sicher auch mit meiner Laune zusammenhängt ist die Befürchtung, wenn es jetzt im Jahr schon so früh los geht … wie komme ich da wohl über den Winter und was kann ich machen (außer meinen Kurzen in ein Desinfektionsbad zu tauchen) um diese berühmte infektlosigkeit der Ausdauersportler genießen zu können?

Wahrscheinlich kann ich gar nichts machen – so ist das eben. Mein Sohn muss da ebenso durch wie ich, mit dem einzigen Vorteil, dass die Kindergartenkeime wohl bei Kindergartenkinder andere Symptome entwickeln … und so schlecht gelaunt wie ich ist er zum Glück nicht.

Naja, diese Pseudo-Herbstdepression geht zusammen mit dem Infekt (wie „schlimm“ es auch immer werden wird) vorbei gehen … wäre natürlich schön wenn ich meine Herbstprogression dabei mitnehmen kann.

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4 Comments

  1. Also mir gefällt der Wechsel vom Sommer auf den Herbst nie wirklich „gut“ – egal wie schön die Wälder aussehen und wie toll die warmen Tees sind ;-) Die machen den Wechsel höchstens erträglich.

    Zu den Infekten: Es stimmt, dass Läufer grundsätzlich weniger Infekte bekommen – allerdings nur bis zu einem gewissen Mass. Gerade Ultraläufer und Personen, die auf einen Marathon o.ä. trainieren, haben tendenziell wieder eher ein schwächeres Immunsystem (besonders kurz nach den Läufen) und müssen daher besonders gut auf die anderen Faktoren (gute Ernährung, viel ruhiger Schlaf und wenig Stress (nicht so einfach mit Kindern) etc) achten.

    Ich war im Herbst/Winter 11/12 extrem viel krank. Seit ich angefangen habe, regelmässig hochdosierte Vitamine zusätzlich zur gesunden Ernährung zu mir zu nehmen, bin ich um fast alle Erkältungen herumgekommen. Vielleicht hilft Dir dies ja auch?

    Liebe Grüsse und gute Besserung
    Ariana

    • Vielen Dank!
      Ja ich persönlich weiss schon gar nicht mehr, was ich alles noch nicht ausprobiert habe. Ich habe Zink+Kupfer genommen, Vitamine, ernähre mich eigentlich sehr abwechslungsreich, achte auf ausreichend Schlaf und der Sport kommt natürlich auch noch dazu. Nach anstrengenden Einheiten gibt’s direkt Zucker (O-Saft) und zeitnah Eiweiß (Glutamin).

      Letztes Jahr war ich anfangs noch zu warm im Winter bekleidet, das war ein Grund, aber inzwischen fällt mir auf Anhieb nichts ein, was ich noch ausprobieren könnte.

      Andererseits hatte ich jetzt mal 5 Monate lang Ruhe – aber wie schon geschrieben, mich erschreckt ziemlich, dass es so früh im Jahr schon losgeht. Naja, vielleicht isses ja auch nur ein Einzelfall.

      VG
      Daniel

  2. Hallo Daniel,
    schade dass es Dich wieder erwischt hat. Ich wünsche Dir gute und vor allem schnelle Besserung!
    Immunsystem? waas ist das?
    Das Problem mit den Bazillen- und Virenzuchtstationen (andernorts auch Kindergärten genannt) kenne ich bestens. Ich kann mich seit der Einkindergärtnerung unserer Großen an keinen Herbst/Winter/Frühling erinnern, in dem ich nicht permanent durch die Gegend geschnieft habe. Und bei mir dauert der Zustand ja auch noch eine Weile an (der Kleinste kommt ja erst nächstes Jahr in den Kindergarten). Man sollte meinen, dass – wenn man die Keime erstmal „verarbeitet“ hat – danach dann Ruhe (weil Antikörper vorhanden sind) ist. Leider kommen bei uns – wegen der Vielzahl der Kinder in verschiedenen Gruppen (Schule, Kindergarten, Turnverein, Chor…) – auch eine Vielzahl verschiedener Keime an. Und auf alle möchte mein Körper scheinbar eine Reaktion testen.

    Ansonsten kann ich eigentlich allen Jahreszeiten etwas abgewinnen. Am Herbst gefällt mir das besonders Stimmungsvolle, die Atmosphäre und – wie Du schon sehr schön beschrieben hast – die verschiedenen Gerüche in den Feldern.

    Wie gesagt – ich wünsche Dir eine gute und schnelle Besserung, damit Du bald wieder dem Laufen frönen kannst.
    Viele Grüße,
    Thomas

    • Ja diese Keime, ich habe vor kurzem beruflich eine Schulung zum Thema Keime & Hygiene genossen … das war kein Spaß, wenn ich das nicht gleich erfolgreich verdrängt hätte, könnte ich wahrscheinlich nie mehr den Kindergarten betreten ;-)

      VG
      Daniel

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