Laufgeburtstag

Ich wollte eigentlich nur joggen gehen, aber was dann passierte … hat mich umgehauen!!!

LaufgeburtstagDa trifft man eine klitzekleine Entscheidung und schon hat man alles… einfach ALLES umgekrempelt! UN-GLAUB-LICH!!!

Aber halt – bevor ich meine kleine Leserschar mit weiterem Heftig-Style in den Wahnsinn und die Arme anderer Laufblogger treibe ist hier Schluss mit dem Quatsch. Immerhin geht es heute um ein mir sehr wichtiges und ernstes Thema.

Heute vor genau zwei Jahren war es so weit – heute vor zwei Jahren legte ich einen Grundstein. In ca. 26 Minuten mit Geh- und Laufpausen absolvierte ich die erste Einheit vom Rest meines Lebens ;)

Es war der zweite Laufversuch. Einige Jahre zuvor habe ich es versucht. Es war anstrengend unangenehm und vor allem lief ich ohne sinnvolle Pausen. Nach zwei Wochen war alles vorbei. Etwas später konnte ich mit Nordic Walking (ja ich gestehe) und Radfahren plus Ernährungsumstellung kräftig an Gewicht verlieren.

Auch wenn ich mit kräftigem Elan die neue Herausforderung gestartet bin, hätte ich niemals im Leben gedacht was daraus entsteht, was passiert und was dieser Sport mit mir und meinem Umfeld macht.

Ich bin dran geblieben – auch trotz Tiefen. Trotz langsamen Fortschritten, trotz Verletzungen bin ich am Ball geblieben und habe kontinuierlich weiter gemacht. Ich habe mit Stabitraining angefangen, inzwischen fahre ich Rad. In diesem Monat werde ich ein Trainingsmaximum von über 35h erreichen … wer hätte das vor zwei Jahren denken können, als der leicht übergewichtige Typ sich mit hochrotem Kopf und iPhone in der Tasche jeden zweiten Tag über einen Feldweg gequält hat.

Mein Plan eine Runde Zahl zum heutigen Laufgeburtstag zu erreichen habe ich sicherheitshalber wegen Tapering abgeblasen, denn immerhin möchte ich mir am Sonntag zum Halbmarathon noch ein Laufgeburtstagsgeschenk machen – und ich fühlte mich nicht gut. Somit stehen heute keine 3.000km im Lauftagebuch sondern nur 2.991 … aber mal ehrlich, fast 3tsd KM – so viel bin ich die 30 Jahre vor dem Laufstart wahrsch. nicht gelaufen.

Viele Läufer sind ja Wiederholungstäter oder kommen von anderen Sportarten. Solche Sportler haben Vorteile, vor allem reagieren Sie meist schneller auf Training weil sich der Körper an „früher“ erinnert. Während ich meine „besten Jahre“ damit verbracht habe möglichst viel zu sitzen und ungesundes zu essen, musste und muss ich jetzt eben meinem Körper ständig neu überzeugen, dass jetzt Sport angesagt ist.

Was mir der Sport in diesen zwei Jahren gebracht habe, kann ich wahrscheinlich gar nicht umfassend in Worte fassen, weil ich irgend etwas vergessen habe.

Offensichtlich sind Gewichtsverlust und Fitnesszuwachs mit einigem an Kollateralschaden. Inzwischen sind gegen einige Euros fast alle Teile im Kleiderschrank neu, nur zwei fast ungetragene Anzüge in Größe 54 baumeln traurig und staubig neben den Slimfit Modellen in 94. Laufen macht mich zudem auch ausgeglichener – ich halte Stress viel besser aus und bleibe in stressigen Momenten besonnener, das hilft im Job wie im Privatleben. Die Fitness selbst spüre ich in so vielen Lebenslagen – ich könnte natürlich predigen, aber mal ehrlich … ich habe es damals auch keinem geglaubt, was für einen Unterschied in der Lebensqualität ein aktiver Lebensstil hat.

Zudem kann ich inzwischen das, was auch einer der Gründe war mit dem Laufen anzufangen. Ich kann mit meinem Sohnemann mithalten der inzwischen 4 ist und sich freut, dass sein Papa problemlos neben dem Rad herlaufen und dabei noch eine Geschichte erzählen kann.

Dazu bringt mich die Lauferei dorthin, wo ich gerne bin … in die Natur. Als Couchpotatoe hätte ich viele Sonnenauf- und -untergänge nicht erlebt, wäre so gut wie nie von Regen durchnässt worden oder von Gewittern nach Hause gescheucht. Ich hätte den unzählige Düfte der Natur nicht bemerkt … frisch gepflügte Felder, frisch gemähte Wiesen, Herbstwind, klare Winterluft. Das rascheln der Blätter unter den Laufschuhen oder der knirschende Schnee. Das Gefühl als einziger Mensch Sonntag Morgens um 6 Uhr durch einen Wald zu laufen oder mit der aufwachenden Stadt mitten im Winter eine Runde zu drehen. Die wahnsinnig tollen Ausblicke von Orten, an die ich als Faulpelz nie gekommen wäre und die vielen Dinge meiner Stadt die ich erst entdeckt habe, seitdem ich sie auch zu Fuß erkunde.

Das alles ist nur ein kleiner Teil dessen, was das Laufen für mich ausmacht – es ist ein Stück Lebensqualität und für mich auch in bestimmter Art und Weise ein Luxus den ich mir leiste.

Auf die nächsten 3.000km auf das nächste Jahr … auf die vielen Dinge die ich wieder entdecken und erleben werde. Happy Birthday Laufen … hast Dich gut gehalten, altes Haus!

 

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