Metropolmarathon Fürth 2014

Metropolmarathon Fürth 2014

Metropolmarathon Fürth 2014

Metropolmarathon Fürth 2014

Kinder wie die Zeit vergeht. Vor etwas mehr als einem Jahr schrieb ich über den Metropolmarathon in Fürth, meiner ersten Halbmarathonteilnahme und dem Gefühl nach so einer Runde zufrieden im Ziel einzulaufen. Letztes Jahr war also zwischen mir und dem Metropolmarathon alles in Ordnung. Es war keineswegs ein Nicht-Angriffspakt, es war ein Arrangieren. Ich hatte fast Krämpfe und musste mich recht schinden – letztlich lief ich mit 1:58:37 immerhin Sub2 ein. Mit einem Jahr Lauferfahrung und (auch damals) ohne richtigem Training eine gute Sache.

Metropolmarathon Fürth 2014 – zweiter Versuch

Meine Wettkampfplanung für 2014 besteht aus einer Mischung an erneuten Teilnahmen plus ein paar neuen Läufen. Der Metropolmarathon Fürth 2014 stand schon ziemlich früh auf der Wunschliste – oder sollte ich sagen auf dem Wunschzettel? Da ich immer so oft gefragt werde, was ich denn zu Weihnachten haben möchte, hat die Verwandtschaft inzwischen verstanden – so eine Anmeldung zu einem Lauf ist dem Bub‘ grad recht. So wurde ich zu Weihnachten mit einem Start zum Halbmarathon beschenkt.

Wie auch schon im Vorjahr spricht viele für diesen Lauf. Er ist sehr gut organisiert. Man kann prima vor Ort parken (Tiefgarage mit Tagestarif 4,00 EUR), das ganze Veranstaltungsgelände ist sehr zentral mit viel Unterhaltung und die Strecken- und Startzeitplanung ist sehr durchdacht, damit zur „Rush-Hour“ auf dem Laufkurs immer Bewegung auf der Strecke ist. Die Marathonläufer starten um 8:30 Uhr – laufen eine große und zwei kleine Runden, die HM-Läufer um 9:30 Uhr mit einer großen Runde, die Marathon-Staffel, 10,5km Läufer, Walker und Nordic-Walker gehen auf die kleine Runde in entsprechender Staffelung.

Die Strecke selbst hat auch eine schöne Führung – teilweise durch Wohngebiete mit extrem gut gelaunten Stimmungsnestern (wie letztes Jahr schon). Das alles bekommt man relativ preiswert, vor allem der Marathon ist fast geschenkt! Dazu gibt es Pacer auf den Laufstrecken und eine unwahrscheinlich hohe Anzahl an Versorgungsstellen – für den Halbmarathon sind es glaube ich 14 – durch das Schleife-laufen besticht auch die Marathonstrecke des Metropolmarathon Fürth 2014 mit unzähligen Versorungsstellen an denen es wirklich alles (Wasser, Iso, Cola, Banane, Melone, Riegel und Gel) gibt.

Die Vorgeschichte

Die Geschichte meines Metropolmarathon Fürth 2014 ist eine Geschichte voller Missverständnisse… Nun könnte man meinen, ich muss etwas vorwegschicken um genügend Gründe zu haben um zu rechtfertigen was geschehen ist, aber das ist inkonsequent und bringt mich auch nicht weiter. Letztlich wurde mir gestern aber wieder einiges klar und es aufzuschreiben schadet nicht.

Auf dem Papier, bzw. auf dem Pixel sah alles prima aus. Tolle Form, wahnsinnig viel Training, die passenden TE super gelaufen und HMRT fühlte sich die letzten male mitten im Training einfach richtig an. Objektiv betrachtet alles im grünen Bereich. Allerdings fing es schon damit an, dass ich nach dem letzten LaLa letzten Sonntag Schmerzen in der rechten Hüfte hatte. Irgendwie eine Reizung am Piriformis Muskel. 2 Tage Pause gefolgt von einer lockeren Radausfahrt halfen, die Schmerzen waren wieder weg, aber etwas verunsichert war ich schon.

Was dann aber Mittwoch folgte, war wohl mein Hauptproblem. Ich bekam mitten am Tag plötzlich ziemlich fiese Gliederschmerzen. Vor allem die Beine taten richtig weh. Beim Laufen ging zwar alles gut, die letzte Trainingseinheit war im Sack, aber danach war ich total abgeschlagen und müde. Auch Donnerstag war nicht viel mit mir anzufangen. Stress im Job und eine 330km Autobahntortur – und Abends war ich wieder direkt auf die Couch geleimt.

Freitags fühlte ich mich etwas besser, aber von fit keine Spur. Dann kam der Samstag mit der Kindergartenwanderung. Nicht wirklich die optimale Abschlußtrainingseinheit. Die 8km mit meinem Kurzen waren ein tolles Erlebnis, das Tempo wahr aber echt anstrengend. Mit einer Pace von… sagen wir 20 Min. pro KM muss man sich erst mal anfreunden ;-) … entsprechend platt fiel ich Abends wieder auf die Couch. Fast 9 Stunden Schlaf bis mich Sonntags um 6:00 Uhr mein Wecker überzeugte, das heute Metropolmarathon war.

Wer weiß … vllt. habe ich mir wirklich einen kleinen Infekt aufgesammelt. So müde und abgeschlagen bin ich normalerweise nicht. Vllt. war es Taper-Madness. Auf jeden Fall hat das alles gereicht, um mir mental zu zusetzen. Die mentale Stärke im WK ist eines meiner größten Probleme.

Mein Metropolmarathon Fürth 2014 – es hat nicht sollen sein

Der Metropolmarathon Fürth 2014 sollte mein Saisonhighlight sein – die Ersatzdroge für den abgesagten Marathon. Nun hab ich aber meinen Kick schon zufällig beim Maisels Fun Run geholt und unerwartet dort die Bestzeit pulverisiert. Allerdings hatte ich keine schlaue Tempoeinteilung – die ersten Kilometer war ich deutlich zu schnell, dazu war es warm und die letzten Wochen hatte ich gut trainiert. Alles Dinge die für mich dafür sprachen, dass sich meine HM-Bestzeit endlich an meine 10er-Zeit anpasst. Lt. meiner aktuellen 10er Zeit könnte ich 1:44:36 laufen – 1:45:xx war das Ziel … natürlich hab ich aber auf 1:44:59 gelinst.

6:00 Uhr Morgens … mein Wecker klingelt. Ich bin allerdings schon vorher wach, Sohnmann hat 10 Minuten vorher Radau geschlagen. Egal, immerhin hab ich sehr lange geschlafen. Die erste Inventur des Körpers sagt… mir geht es besser als die letzten Tage. Keine Gliederschmerzen und müde bin ich auch nicht. Also aufstehen und in die Küche schleichen.

Auf dem Weg dahin nehme ich mein iPad mit und werfe einen Blick aufs Wetter. Um 8:00 Uhr zeigt die Website eine kleine Gewitterwolke und aus den gemeldeten „leichten Regenschauern“ wurde inzwischen 8 Liter pro qm … alles andere als leicht. Das Problem ist nur – selbst 3 Stunden Prognosen sind nicht immer richtig.

Ich rühre mir Chia-Samen in einen Orangensaft und koche mir ein Porridge mit einer Banane. Wie so oft …dazu gibt’s Kaffee. Ich bin ruhig … eigentlich zu ruhig, obwohl ich doch so ein hohes Ziel habe. Während nach und nach der Rest der Familie wach wird, merke ich, dass mir die Zeit ausgeht.

Tasche packen, Adresse des Parkhaus raussuchen, Anmeldebestätigung finden … Mist, Handtuch vergessen – andere Schuhe mitnehmen, Uhr nicht geladen … halt, ich brauche noch eine Plastiktüte für’s Handy … immerhin soll’s Regnen und um die Familie – die mit dem Zug nachkommt – finden zu können, ist es gut, wenn das Ding am Mann ist.

Angedenk der Wettermeldungen entscheide ich mich für ein kurzarm Trikot und darunter ein Kompressionshemdchen mit der Bezeichnung „HeatGear“. Dazu nehme ich sicherheitshalber noch meine regendichte Cap mit – damit es mir nicht auf die Brille und ins Gesicht regnet. Als ich nur 10 Minuten später als gedacht los komme ist in Bayreuth von Regen keine Spur. Auch die gut 100km Anfahrt sind absolut regenfrei und je näher ich Richtung Fürth komme um so mehr steigt die Temperatur an. Als ich von der Autobahn abfahre, stehen 18°C zu buche … allerdings ist es arg windig.

Schnell das Auto geparkt und in Startbereich marschiert. Während ich so Richtung Fürther Freiheit laufe, fängt es tatsächlich das tröpfeln an. Prima – ich stelle mich in einem Dixi unter, eigentlich eine tolle Idee. Aktuell sind sie alle noch frei und benutzen kann man das Ding auch noch. Allerdings auch kein schöner Ort – also geht es weiter die Startnummer abzuholen.

Die überrascht mit etwas und bringt mich zum schmunzeln, es ist die 3000 – warum nicht, letztes Jahr war es die 3017 … ich melde mich wohl stets zur gleichen Zeit an. Nun nur noch endgültig umziehen. Das Unterhemd lasse ich wegen des Windes an, ansonsten bleibt alles wie geplant. Ich gebe die Tasche ab und mache mich auf zum einlaufen.

Nach 10 Minuten und einem erneuten unterstellen im mobilen Klohäuschen wird es Richtung Start auch schon hektisch. Also auf den Weg zum Start und irgendwo in die Menge gestellt. Die Pacer sind noch nicht zu sehen, aber eng ist es schon. Das blöde ist nur, als plötzlich die Ballons zu sehen waren, stand ich näher am 2:00 als am 1:45 Pacer … also noch mal raus und ein paar Meter nach vorne – das Ziel ist ja klar.

Selbst die paar Meter waren nach dem Startschuss zu viel. So schnell kann ich gar nicht gucken, wie der Pacer nach vorne verschwindet. Mitten im Pulk hat eine Läuferin ihr Smartphone verloren – kehrt um und kniet sich zu Boden. Die Frau muss wahnsinnig sein … zum Glück ist aber keinem was passiert. Nach dieser Engstelle versuche ich außen ein paar Meter gut zu machen. Nach 500 Metern hab ich den Pacer samt Läufertraube aufgegabelt und den Tempomat bei mir eingestellt. Letztlich merke ich hier schon, dass unter 5er-Pace sind heute deutlich anstrengender anfühlt als im Training.

Zudem hört es auch gleich das regnen auf – ich nehme meine Cap ab und verstaue sie am Spibelt. Immerhin nach oben jetzt die Möglichkeit abzulüften. Mit dem Regen verschwindet aber auch der Wind in der Stadt und plötzlich ist mir ganz schön warm. HeatGear … sollte man wörtlich nehmen, auch wenn die Marketingabteilung etwas anderes verrät. Schon nach 1,5km kommt die erste Verpflegungsstation … da es um einen Block geht keine 500 Meter weiter die nächste. Die ersten greifen schon zu und es wird eng, so dass ich direkt wieder zum Pacer aufschließen muss.

Die Streckenführung geht direkt durch Innenstadtbereiche wo leicht verschlafene Fürther mit Kaffeetassen vor ihren Häusern oder in Fenstern stehen und irritiert der Meute hinterherblicken. Dafür laufen auch die Halbmarathonis dieses Jahr durch die Grüne Halle, wo letztes Jahr nur die kurzen Strecken sowie Marathonläufer und Staffeln durch kamen.

Ich komme noch gut mit und halte mich auch an den nächsten zwei Verpflegungsstellen möglichst raus um auch am Pacer zu bleiben. Allerdings merke ich so langsam, das mein Puls dahin steigt, wo er nicht hin soll. Bei Kilometer 8 merke ich so langsam, dass ich Druck aufbauen muss um am Pacer dran zu blieben. Die ersten 10km liefen in Bayreuth beim HM deutlich lockerer. Als es dann eine kleine Steigung hoch geht kann ich wieder von meiner Laufkraft profitieren und mich anhängen. Bei Kilometer 10 nehme ich zum ersten Mal etwas von der Verpflegungsstation und verschlucke mich traditionell am Wasser.

Nun geht es leicht bergab und auf das größte Stimmungsnest an der Strecke zu. Ein ganzer Straßenzug macht richtig Party, hat eine kleine eigene Verpflegungsstation und bejubelt einfach alle und jeden. Das trägt mich weiter, dazu geht es leicht bergab, der Körper hat Zeit sich etwas zu erholen. Die Daten sprechen für sich, zu dieser Zeit liegt der Puls schon deutlich über 90% HFMax und es sind noch fast 10km zu laufen. Ich ließ den Pacer 100 Meter ziehen blieb aber konstant dran.

Neben mir sagt ein Mitläufer den folgenschweren Satz: „Gleich kommt das Wadenbeisserla“ (für nicht Franken: Sogleich folgt das Streckenstück, dass Dir in den Waden zwicken wird). Es handelt sich um eine Rampe die zur Brücke über den Main-Donau-Kanal führt. Die wenigen Höhenmeter reichen aus um meinen Puls kräftig nach oben zu schießen … leider bleibt er dort.

Oben angekommen hechle ich wie ein alter Hund. Der Puls geht nicht mehr runter – ich gehe 20 Meter und laufe langsamer wieder an, mein Herz schlägt bis zu den Ohren und mein letzter mentaler Widerstand ist gebrochen. Immerhin sind es nur noch 8km bis zum Ziel, auch wenn die Strecke – das weiß ich vom letzten Jahr – hier leicht profiliert ist. Die Höhenmeter sind nie gemein, aber sie sind da und reißen aus dem Rhythmus.

So langsam werde ich immer häufiger überholt – die Pace schwankt zwischen 5:20 und 5:08 … unter 5 komme ich nur noch beim Zieleinlauf. Beim Kilometer 16 sehe ich den Pacer noch gut 200 Meter vor mir – damit ist klar, die 1:45 sind dahin. Ich nehme noch zweimal Wasser an den Verpflegungsstationen, kann aber das Tempo nicht mehr halten. Ich versuche gezielt kleine schnelle Schritte zu machen, was mir auch wieder Tempo bringt, aber ich kann es nicht mehr konstant halten. Es tut nur noch weh und ich will eigentlich nur noch das Ziel sehen. Auch die zunehmende Anzahl an Zuschauern schiebt nur kurz an, der Ofen ist aus.

So laufe ich möglichst konstant die letzten Kilometer. Als es in die Innenstadt geht treffen die 10km und Staffelläufer auf die Halbmarathonstrecke. Es wird nochmals voll und der Kampfeswille ist noch Mal geweckt. Allerdings ist es relativ eng – völlig sinnfrei lasse ich mich noch mal zu einem Schlussspurt hinreißen und reiße tatsächlich zum ersten mal in meiner Laufkarriere die Hände nach der Ziellinie gen Himmel … allerdings keine Geste großer sportlicher Leistung, sondern die Erleichterung das Ding ins Ziel gelaufen zu haben.

Auf KM 20 hat es übrigens wieder das regnen angefangen … der Wind ist auch wieder da. Vielen Dank Murphys Law!

Mein Fazit

Zu Essen und zu Trinken gab es genug. Und im Gegensatz zum Vorjahr war ich immerhin mehr als 11 Minuten schneller, das versöhnt ein wenig. Die Uhr blieb bei 1:47:20 stehen – lt. Zeitmessung 1:47:19. Im Gegensatz zum durch gelaufenen HM in Bayreuth waren es die Gehpausen, die mich die Bestzeit gekostet haben. Die 1:45:xx waren aber zu keinem Zeitpunkt wirklich drin.

Nachdem ich meine Tasche geholt habe nochmals ein kleiner Aufreger. Die Busse die zu den Duschen fahren, fehlen … 20 Läufer stehen frierend im Regen und warten auf die Busse … nichts passiert. Als endlich einer kommt, sitzen drinnen genervt guckende Läufer, die nur abraten einzusteigen. Der Fahrer fährt schon die zweite Runde, angeblich kann er die Route die der Chef vorgegeben hat nicht nehmen und es fehlt ein Schlüssel. Genervt marschiere ich ins Umkleidezelt und lege mich trocken. Krank werden möchte ich nun wirklich nicht.

In der Zwischenzeit kommt meine Familie auch an – gerade als es noch stärker regnet. Anstatt am Veranstaltungsgelände zu bleiben beschließen wir abzubrechen und etwas anderes zu unternehmen. Zum Freude von Frau und Sohn machen wir uns einen schönen Nachmittag im Eisenbahnmuseum in Nürnberg, ich leide leise noch etwas weiter … da mir nach dem Lauf einfach alles weh tut, aber als Läufer steht man sowas durch. Immerhin war es auch der angenehmere Teil des Tages.

Aktuell bin ich doch etwas geknickt. Abends ging es nur noch auf die Couch – Akku leer. Für den Lauf zeigt Runalyze einen ziemlich hohen VDOT – so hoch wie noch nie. Purer Hohn muss ich sagen. Bis ich wieder mit dem Halbmarathon versöhnt bin, dauert es sicher noch ein wenig. Der nächste ist nicht geplant, aber im Herbst werde ich das Projekt 1:45 noch mal angehen.

Diese Woche freue ich mich einfach mal auf lockere Einheiten. Eine reine REKO Woche steht an, an deren Ende der Altmühltrail stehen wird, ein Wettkampf ganz ohne Zeitambitionen. Neben der körperlichen Regeneration muss nämlich jetzt auch erstmal im Kopf wieder der Fokus stimmen.

 

 

 

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