T-176 knie Dich nicht so rein

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knie Dich nicht so rein

Der Titel verrät es, mal wieder ein Blogpost aus meiner Marathon (Vor-)Vorbereitung. Besser gesagt, nach etwas überlegen habe ich den Beitrag hier rein gepackt … denn er handelt letztlich von einem und verschiedenen Themen zugleich.

Fangen wir vielleicht mal mit dem Offensichtlichsten an. Mit dem reinknien habe ich aktuell so mein Problem, genauer gesagt Knie rechts … Innenseite. Es ist gerade mal etwas mehr als eine Woche her, als ich im Monatrückblick zufrieden auf die gesundheitliche Situation geblickt habe. Letztlich war ich wohl etwas vorschnell.

Evil Knie-vel

Knieprobleme habe ich mir 2013 schon mal geholt. 3 Tage – 3x gleiche Strecke, 3x gleiche Geschwindigkeit, 3x gleicher Schuh und das 2 Wochen nach meinem ersten 10er. Letztlich habe ich mir das durch zu hohes Tempo eingebrockt und vor allem dadurch, dass ich mit kräftig Muskelkater in den Waden gelaufen bin.

Aktuell bin ich mir gar nicht wirklich so schlüssig. Nach dem Halbmarathon habe ich brav regeneriert und locker gesteigert. Ich habe das Tempo rausgenommen und die Umfänge erhöht. Letztlich wird es wohl genau daran liegen. Zu schnell zu viel … bei anderen hört sich das immer tragischer an. 64, 49 und 59 Kilometer hatten die letzten 3 Wochen – leider endete die letzte Woche nicht nur mit unschönem Wetter, sondern auch mit Knieschmerzen. Beim Lauf am Samstag waren die eigentlich nur bei geringen Geschwindigkeiten da – Tempoerhöhung (5:30 und schneller) lies das Zwicken verschwinden. Die letzten Kilometer lief ich aber langsam und da waren sie die Schmerzen.

Dunkelheit, Termine & Co. kamen also zur rechten Zeit. Diese Woche ging nichts. Die Kniezickerei kommt aber nicht vom Laufen allein. Längeres sitzen führt auch zu Problemen und gesessen bin ich die ganze Woche. Freitags dann der versuch. 10 Kilometer sollten es werden. Nach ein paar KM war schon ein zwicken zu spüren – irgendwann musste ich Gehpausen einlegen um überhaupt wieder zurück zu kommen. Frust pur! Gestern und heute also – soweit möglich – Knie entlasten, nicht längere Zeit über 90°  anwinkeln usw.
Wochenende komme ich damit gut zurecht – jetzt muss ich das auch im Büro berücksichtigen. Erst wenn ich im Alltag wieder komplett schmerzfrei bin, werde ich wieder laufen… schweren Herzens :-(

Psychohygiene

Weniger offensichtlich geht es bei der Geschichte aber auch noch um etwas anderes. Beim laufen kann ich mich also schon gar nicht mehr so reinknien … dabei wurde mir erst mal wieder bewusst, was für einen tollen psychohygienischen Effekt das Laufen doch hat.

Seit gut zwei Wochen beschäftigt mich eine berufliche Fragestellung, die durchaus auch weitreichende Folgen haben kann. Meine Entscheidungsfindung unter Laufeinfluss war ganz ruhig, entspannt und stressfrei. Bei jeglichen Fragestellungen zu dem Thema habe ich die Schuhe geschnürt und bin 10-15km gelaufen und locker wieder nach Hause gekommen. Laufen regelt eben das „Vernunftzentrum“ runter … Dinge die ich beim Laufen bedenke entscheide ich intuitiver, bzw. bleiben beim Laufen eigentlich nur noch die wirklich wichtigen Fragen übrig. Kaum die strategischen abwägenden Dinge … sondern die grundlegenden. Laufen ist kein Allheilmittel … aber wenn man nicht zu viel davon erwartet ein Gedankenkatalysator.

Nun bin ich diese Woche nicht gelaufen, mit dem erschreckenden Ergebnis, dass Tag für Tag mein gefühlter Stresspegel zur o.g. Fragestellung weiter angestiegen ist … weswegen ich letztlich gestern auch gelaufen bin. Auch wenn der Lauf absoluter Mist war – er hat mir immerhin geholfen meine innere Mitte zum Job-Thema wieder zu finden. Stellt sich nur die Frage wie ich das ganze ausbalancieren kann, wenn die Laufpause jetzt weiter andauert …

Nicht so reinknien – Teil 2

Und so schließt sich der Kreis und ich komme zum dritten Teil. Also habe ich viel zu grübeln, habe es beim laufen übertrieben und komme so noch mehr zum grübeln. Und irgendwie hat alles mit Mai 2014 zu tun … auch wenn der noch so lange hin ist.

Wer sich reinkniet bemüht sich, erhöht den Einsatz … vielleicht gibt er sogar „alles“? Das kann man ggf. philosophisch diskutieren – aber letztlich kann man gar nicht „alles“ geben. Eine Lektion aus meinem Leben als Fernstudent. Viele Entscheidungen für oder gegen etwas sind letztlich nichts anderes als Verteilungskriege um Ressourcen. Geht man von den persönlichen Ressourcen wie Kraft und Zeit aus, trifft das auch bei mir aktuell zu.

Ich bemühe mich Dinge „richtig“ zu tun. Also war und ist es mein Ziel vor dem Marathon-Training eine gute Grundlage zu legen. Letztlich mit dem Ziel im Hinterkopf, mich durch das Marathon-Training nicht zu überlasten. Ironie des Schicksals, dass es jetzt schon geklappt hat. Positiv betrachtet habe ich wieder etwas in meinem Läuferleben gelernt … wenn ich jetzt noch herausfinde wo der kritische Punkt liegt, hat es sich gelohnt (so lange es keine ernsthafte Verletzung ist). Negativ gesehen, habe ich mich übernommen … die Selbsteinschätzung passte nicht zur Leistungsfähigkeit.

Dazu kommt natürlich auch, dass in der jetzigen Jahreszeit WKM um die 60 zu laufen auch einen mächtigen Batzen Motivation benötigt – und es liegt noch kein Eis und Schnee. Das ist das kleinere Problem, aber dazu braucht man Zeit und den Rückhalt der Familie – und 60 WKM sind jetzt für eine Marathonvorbereitung letztlich eher am unteren Ende der Skala zu finden.

So oder so … meine Job-Entscheidung strahlt auch jetzt schon auf den 4. Mai 2014 – Termine für das nächste Jahr sind reichlich vorhanden und die Anzahl der Dienstreisen nimmt auch zu. Alles machbar für einen Läufer – ich brauche kein Fitnessstudio oder Sportgerät … meinen Sport kann ich auch mitnehmen. Allerdings brauche ich auch einen gangbaren Mittelweg und den Realismus ggf. am richtigen Ende die Zügel locker lassen zu können.

Vor dem Marathon hab‘ ich eh mächtig Respekt … aktuell kommt aber noch einiges an Respekt vor anderen Zielen 2014 zu … und am schönsten wäre es, wenn ich die ganzen Ziele erreiche ohne mich dabei um Knie- oder sonstige Schmerzen kümmern zu müssen. Letztlich darf ich mich einfach nicht zu sehr reinknien – irgendwo da draußen ist er, der gangbare Mittelweg.

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