T-73 … GAU?

Haspa Marathon Hamburg 2014Ich habe eine App auf meinem Smartphone, die mir tagtäglich den Countdown zum Haspa-Marathon herunterzählt. So ein Smartphone ist inzwischen ein Alltagsgegenstand geworden, dauernd in der Hand … dauernd schaut man drauf. Aber wie läuft es mit alltäglichem? Das Gehirn, der Ganze Mensch ist auf Effizienz gepolt… bzw. einfach faul. Dort wo das Hirn gewohntes erwartet, kümmert es sich weniger um die Wahrnehmung. Das kleine Ding ist schwarz, drücke ich auf einen Knopf wird es hell und offenbart mir meine Mail, Kalendereinträge oder meinen Twitter-Account. Es liegt aber nicht nur am Alltag, dass ich den Countdown auf den 04.05.2014 aus den Augen verloren habe.

Ich habe mir die Entscheidung für die Marathon-Teilnahme nicht leicht gemacht. Ich habe gehadert und mich dann aber doch entschieden, die Ausgangslage sah damals für mich positiv aus. Herausfordernd aber machbar, war mein Eindruck.

Aber Pläne machen ist das eine, das was während der Planung so passiert das andere. Berufliche Veränderungen kündigten sich an und beim Blick auf den Smartphone-Countdown kündigte sich auch ein zunehmend schlechtes Gefühl an.

Letztlich waren meine größten Bedenken auf den Zeitpunkt gerichtet. Frühjahrsmarathon sollte es sein, ich wollte nicht in der Sommerhitze trainieren. Laufen bei Kälte und Dunkelheit sollte meine Form bestimmen und mich fit machen. Im Hinterkopf hatte ich stets das Drama des letzten Winters. Von Februar bis März reihte sich Erkältungsphase an Erkältungsphase. Von kontinuierlichem Thema keine Spur. Kaum für den Marathon angemeldet, ging es im Herbst auch schon los. Oktober, Dezember und Januar … jeweils 3-5 Tage Infekt. Aber alles im Rahmen … wäre ich nicht auch noch wegen der Knieprobleme in Rückstand geraten.

Anfang des Jahres ging es zusammen mit dem Rennradtraining ziemlich zügig bergauf, so gut das es sogar bei einem Test-WK zur neuen Bestzeit reichte. Aber zu dem Zeitpunkt steckte ich schon mitten im beruflichen Stress. Seit dem Wettkampf ist jetzt gut ein Monat vergangen und dabei ist mein sorgsames Trainigs-Kartenhaus komplett ineinander zusammengestürzt.

Arbeitszeiten jenseits von gut und böse, Stress … und wie zu erwarten, direkt eine Erkältung eingefangen. Inzwischen fühle ich mich einfach nur noch überarbeitet (bin es auch) und habe mir die dritte Erkältung/Infekt innerhalb von vier Wochen eingefangen. Sonntag stünde der zweite Lauf der Oberpfälzer Winterlauf Challenge an, jetzt habe ich eine prima Entschuldigung nicht zu starten, denn ich bin krank. Aber ich will ehrlich sein – ich wäre wohl auch gesund nicht gestartet … auch wenn ich gerne laufe, ich habe seit vier Wochen keine komplette Trainingswoche mehr zusammenbekommen, von spezifischen Training ganz zu schweigen. Und das das, was ich da tue, für den Formerhalt reicht, kann ich mir maximal einreden.

In der jetzigen Situation kann ich Laufen nicht als Sport betreiben – ich bin nicht gesund, ich brauche mehr Zeit zum regenerieren und merke die Belastung im Job in meiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Jetzt würzt man das ganze noch mit dem Fakt, dass in vier Tagen – also Montags der Steffny-Marathon Plan startet und der GAU ist perfekt.

Die Priorität ist klar, jetzt kümmere ich mich um meine Gesundheit… aber im Job komme ich so schnell nicht wieder in geregelte Bahnen. Ich werde mich darum bemühen hier klar Verhältnisse zu schaffen, so kann es nicht weiter gehen, aber wie kann eine Marathon-Premiere mit den Vorzeichen klappen?

Trainingsausfall in der Nach-Saison, krank und kaum strukturiertes Training vor dem Countdown-Plan und dann werde ich gleich noch die ersten Einheiten aus dem Plan ausfallen lassen müssen.

Momentan bin ich absolut demotiviert und überlege ernsthaft den Start in Hamburg lieber gleich abzuschreiben, als mich am Versuch aufzureiben und dann die Premiere zu vergeigen. Das wäre ein harter Schnitt und wahrscheinlich würde mich das in der jetzigen Situation keineswegs zufriedener machen … irgendwie erscheint es mir wie eine Notlösung … das Gefühl jetzt irgend etwas tun zu müssen… und den Marathon an den Nagel zu hängen ist auch das einzige, das ich hier und jetzt tun kann.

Aber gerade deswegen lasse ich noch ein paar Tage verstreichen, nicht das meine Planung dieses Jahr nicht genügend schöne andere Läufe und Ziele bietet, aber so sehr wie ich mich auf die Herausforderung Marathon gefreut habe, möchte ich das Ziel nicht einfach so kampflos meinem Frust preisgeben.

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6 Comments

  1. Hey Daniel,
    Wenn man sich deine Situation im Moment betrachtet denke ich gibt es nur eines: lass den Marathon sausen.
    Ich denke mal bis sich deine berufliche Situation ändert, dauert es noch einige Zeit. Und gesundheitlich solltest du auch erst mal 100% fit werden bevor du auch nur daran denkst wieder strukturiert zu trainieren.
    Willst du wirklich auf deinen ersten Marathon mit einem Notfallplan trainieren? Nur um irgendwie durchzukommen? Nur um die Strecke zu bewältigen und dir hinterher einzugestehen das du es besser häst lassen sollen?
    Ich denke mal dir geht es wie mir: du freust dich unheimlich auf deinen ersten Marathon und willst es durchziehen. Aber objektiv betrachtet gibt es denke ich nur eine Lösung: Let it be………
    Gruß Alex

    • Hallo Alex,

      ja, objektiv betrachtet gibt es nur eine Lösung … aber so objektiv kann ich aktuell nicht sein.
      Ich habe einige Dinge geklärt am Freitag und muss sagen, der Kopf ist einiges freier.
      Ich habe den Marathon gebucht und einen kleinen Familienurlaub drumherum gebaut. Wenn ich dran denke, ich sitze am 4. Mai in Hamburg und der Marathon findet ohne mich statt… der Gedanke ist noch nicht in meinem Hirn angekommen.

      Mal sehen wie es weiter geht.
      VG
      Daniel

      • Ich glaube wenn ich du wäre würde ich es auch durchziehen, auch wenn die Vorzeichen schlecht sind. Aber Gottseidank bin ich nicht du. ;-)
        Werde aber auf jeden Fall deine Fortschritte auf Garmin Connect und hier im Blog weiter verfolgen. Vielleicht kann ich ja noch was lernen im Bezug auf meine Marathonvirbereitung für Frankfurt.
        Würde mich echt freuen wenn wir uns am Rande des Staffelstein HM mal persönlich kennenlernen

        • Ganz ehrlich, wäre ich aktuell selbst gerne nicht ich ;-) …

          Das mit Staffelstein kriegen wir sicher hin. Kenne mich zwar vor Ort nicht aus, aber da findet sich bestimmt ein Treffpunkt o.ä.

          VG
          Daniel

  2. Ich sehe es ähnlich, auch wenn die berufliche Situation nicht so vorhanden wäre, geht die Gesundheit halt auch vor. Es bringt nichts, sich zu quälen.

    Dann lieber auf die nächste Chance trainieren.

    • Die Gesundheit geht natürlich vor, allerdings würde ich ja dennoch wieder ein strukturiertes Training aufnehmen, auch wenn ich nicht am Marathon teilnehmen würde.

      Ein Grund es zu lassen, wäre eigentlich nur, wenn ich keine Form erreichen würde, mit der ich letztlich in Hamburg zufrieden starten könnte.

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