Lemmings, Sport, Event, Anmeldung, Veranstaltung

Sport Lemminge

Lemmings, Sport, Event, Anmeldung, Veranstaltung

Bildquelle:(c) itsklicken

Kennt man heutzutage eigentlich noch Lemmings? Dieser Pixelklassiker, dem ich damals am Amiga noch unzählige Stunden meines Lebens geschenkt habe. Den grünhaarigen Pixelhäufchen, die sich – ohne Hilfe von außen – einfach irgendwo in den Tod gestürzt haben… verbrannt sind, zerquetscht wurden und nie ans Ziel kamen sind auch heute noch ein prima Sinnbild.

Natürlich geht die Spielidee auf den Mythos zurück die massendwandernden realen Lemminge würden sich suizidal irgendwelche Klippen herabstürzen. Das tun die kleinen Viecher nicht, aber in großen Gruppen irgendwo hinwandern, das tun sie.

Darum sind sie auch ein Sinnbild für mich – für etwas, das ich dort wo sich Ausdauersportler im Internet tummeln beobachte … und – das muss ich zugeben – auch schon in der Feldforschung an mir selbst beobachtet habe.

Das Internet ist ein toller Platz für Ausdauersportler. Je nach Grad der Freakigkeit findet man in der Umgebung vllt. noch ein oder zwei Spinner, die so sind wie man selbst. Im Internet wiederum gibt es keine Grenzen – die Verlockungen lauern in Sozialen Medien, in Blogbeiträgen, in Tweets und in Foren.

Irgendwo auf der Welt ist immer irgend ein Läufer, Radsportler oder Triathlet bei einem besonderen Event, absolviert eine ganz besonders tolle Trainingseinheit oder erlebt irgend etwas faszinierendes. An den Wochenenden geht es bei Twitter zu wie im Bienenstock. Sonntags früh um 6:00 Uhr wünscht sich die Ausdauergemeinde alles gute zum Longjog oder zum Wettkampf. Während der Normalbürger noch an der Matratze horcht, wird erst getwittert und gepostet – dann gesportelt um hinterher die Berichte über die sonntägliche Heldentat zu kommentieren und sich Gegenseitig neue Flausen in den Kopf zu setzen.

Würde eine Agentur beauftragt werden Ausdauersport zu vermarkten – sie hätten keine Chance. Traumhafte Bilder von menschenleeren Landschaften, wahnsinnigen Sonnenaufgängen, Fahrrädern in Getreidefeldern oder still daliegenden Seen gehen um die virtuelle Sportwelt. Neben der Naturästhetik transportieren sie auch immer eine kleine Dosis Wahnsinn, den sie beim Betrachter implantieren.

Noch schlimmer ist es nach großen Events. Live-Berichterstattung auf allen Kanälen über Leute aus der Timeline, Fotos (teilweise direkt vom Wettkampf) und hinterher faszinierende Blogbeiträge über das Scheitern oder den persönliche Sieg im Kampf mit dem Schweinehund. Und am anderen Ende der Leitung sitzt der endorphienhungernde Ausdauersportler.

Irgendwelche Rezeptoren im Sportlerhirn schlagen bei dieser Medienflut von bild- und textgewordenem Runners-High Alarm. Solche Beiträge sollten einen Warnhinweis tragen.

Achtung: Das Lesen dieses Blogs, kann zu schweren Wettkampfanmeldungen führen!

Gerade nach großen Events wie dem Berlin Marathon oder aktuell dem Zugspitz Ultratrail geistern deutlich mehr Gedanken durch den digitalen Äther. Ich spreche jetzt nicht von (augenscheinlich) vernünftigen Dingen – von Leuten mit klaren Trainingsplänen und Zielen, die ihre Saison entsprechend planen und sich mit nachvollziehbaren Gründen anmelden.

Vielmehr spreche ich von den Veranstaltungslemmingen. Was war ich geflasht vom Berlin Marathon 2013. Bericht im TV, irrwitzig viele Berichte auf Twitter und Blogs hinterher. Natürlich habe ich mich am Tag drauf gleich bei der Startnummern-Lotterie angemeldet. In diesem Fall wurde ich zum Glück nicht gezogen, denn der Grund für die Anmeldung war eigentlich purer fremdgesteuerter Endorphinrausch. Und so zieht es sich nicht nur bei mir durch – man lässt sich so leicht anstecken von den Ideen, von den Leistungen anderer… und ehe man sich versieht hat man sich irgendwo angemeldet, wofür das aktuelle Leistungsniveau niemals im Leben reichen würde.

Das gute daran ist, wenn man diesen Flash nutzt um sein Training anzupassen. Um das Unmögliche anzugehen und es dann doch zu schaffen. Die Gefahr ist aber auch da, sich durch die Fremdsteuerung zu unvernünftigen Dingen hinreißen zu lassen.

Und im Hintergrund dreht sich auf Instagram, Twitter, Facebook und in Blogs das Karussell weiter. Irgendwo läuft, fährt, schwimmt irgend jemand bei einer tollen Veranstaltung und verteilt neue Spinnerein in Hobbysportlerköpfe … irgendwie gehört das wohl dazu.

Die einzige Hoffnung ist, dass die Anmeldung bei entsprechenden Veranstaltungen so spät möglich ist, das man wieder mit Hirn entscheidet … zum Glück kann man sich übrigens zum Zugspitz Basetrail 2015 noch nicht anmelden :-)

 

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