Reden wir über: #OchsenK30

Manchmal kommen die komischsten Ideen an den komischsten Orten bzw. zu den ungünstigsten Gelegenheiten.

So auch beim kryptischen OchsenK30 geschehen. Letztes Jahr war ich mit meiner Familie im Fichtelgebirge wandern. Mit Frau und Kind ging es zum zweithöchsten Gipfel, dem Ochsenkopf. Wir wanderten locker von Fleckl zum Gipfel, genehmigten uns einen Kaiserschmarrn und ein paar kühle Getränke und liefen wieder herunter.

OKopfKurz bevor wir wieder aufbrachen, lief ich noch ein bisschen umher. Ich war bestimmt 20 Jahre nicht mehr oben gewesen. Da fiel mir dieses Schild hier auf.

Mein Blick fiel auf die beiden Wanderwege. Sowohl der fränkische Gebirgsweg als auch der „M-Weg“ führen vom Ochsenkopf nach Bayreuth. Überrascht war ich davon, dass es gar nicht mal so weit war. Mit dem Auto fährt man einen kräftigen Umweg.

Aus Spaß meinte ich zu meiner Frau, dass sei ja so nah, da könnte man quasi von zu Hause aus hinlaufen.

Wie das aber so ist, mit fixen Ideen, bleiben sie irgendwo im Hinterkopf kleben. In diesem Fall so lange, bis ich zwei Tage später meine Wanderkarten herausgekramt habe um mir den Streckenverlauf etwas genauer anzusehen. Nach einiger Zeit auf GPSies stand dann eine Strecke, die von meiner Haustür bis zu eben jenem Schild führt.

Am 30. August 2014 wurde die Idee geboren. 30 Kilometer und 1.000 Höhenmeter standen da. 1K Höhenmeter, 30KM zum Ochsenkopf … kombiniere #OchsenK30. Nur eines war klar, so schnell würde ich das Projekt nicht unter die Füße nehmen können – die Form war einfach nicht da.

OchsenK30-Höhenprofil

Mit der neuen Saison kam der Wunsch auf den diesjährigen Basetrail XL des Zugspitz Ultratrail zu laufen. Wer Höhenmeter absolvieren will sollte die auch vorher trainieren. Im Zuge der Trainingsplanung wurde so OchsenK30 wieder aktueller. Zudem sollten 30km mit 1.000 Höhenmeter machbar sein, wenn man 36km mit 1.800 Höhenmeter absolvieren will.

Die Idee war einfach. Ich laufe zum Ochsenkopf und lasse mich von der Familie abholen. Allerdings stand irgendwas immer im Weg, die Zeit, das Wetter oder das Radtraining.

Nun wurde die Zeit zum Basetrail immer kürzer und kürzer. Wenn ich die Tour absolvieren wollte, dann diese Woche am Feiertag. Die Vorbereitung war denkbar ungünstig. Am Samstag die MSR300, am Dienstag Hügel- und Treppenintervalle und am Mittwoch erweitertes Bike2Work. Ausgeruht ist etwas anderes. Vorbereitet übrigens auch.

Wie so oft bei Morgenläufen in letzter Zeit kam ich erst nicht aus den Federn und musste nach einem entsprechenden Frühstück erst mal den Rucksack packen. Die Tour sollte nämlich auch die Generalprobe für einen Lauf mit der Pflichtausstattung des ZUT werden.

IMG_2838_SnapseedMit reichlich Verspätung und ausgerüstet für den wildesten Trailrun der Welt verlies ich die Wohnung.

Meine Frau konnte ihr lachen kaum zurückhalten. Musste ich immerhin mit Trailrucksack (inkl. 2 Trinkflaschen und Stöcken dran) erst mal gut 7km die Stadt durchqueren bevor mein Schuh überhaupt einen Feldweg betritt. An schiefe Blicke habe ich mich aber schon gewöhnt, also was solls.

Die Strecke hatte ich am Vorabend noch etwas modifiziert und im Sinne eines besseren Ablaufs wollte ich auch nach Bischofsgrün wieder herunterlaufen, damit mich meine Familie direkt einsammeln kann. So wurden aus 30km schnell 36km.

Die Strecke hatte ich auf der Fenix3 dabei – als Zeitfenster hatte ich mir gut 4h Zeit genommen.

So durchquerte ich erst Bayreuth um den Kessel zum ersten mal zu verlassen. Auf diesen ersten Kilometern meldete die Fenix zwar „Erholungsstand: Gut“ – meine Beine waren aber etwas anderer Meinung. Die Woche steckte wohl tiefer als gedacht.

IMG_2840_SnapseedDie ersten 50 Höhenmeter gingen dennoch recht locker. Ich trottete weiter, durchquerte den nächsten Ortsteil und steuerte direkt auf den Rodersberg samt Golfplatz zu. Diesen „Umweg“ habe ich eingebaut um ein paar HM mehr unterzubringen. Hat sich auch gelohnt, 100HM mehr standen zu buche.

Ich schwitze ziemlich, während eine Menge Mitbürger auf dem Golfplatz Sport simulierten. Immerhin hat man einen tollen Ausblick. Mit Karacho ging es in das Steinachtal von wo ab ich dem M-Weg folgen konnte.

So langsam wird mir klar, das mein Umweg wohl ca. 3km zu meiner ursprünglichen Route von letztem Jahr beträgt. Hoppla – damit hatte ich nicht gerechnet. Hilft aber nichts, also fröhlich weiter laufen bis es an den ersten Anstieg geht.

Von Untersteinach aus laufe ich erst lange eine Forststraße entlang, bis der Wanderweg plötzlich rechts ab den Berg hoch geht. Uff … ich drücke mir ein Gel rein, nehme einen Schluck und klappe meine Trekkingstöcke aus. Immerhin muss ich ja testen, ob ich sie zur Zugspitze mitnehme oder nicht.

Schon nach wenigen Metern bemerke ich, das ich ganz sicher am nächsten Tag Muskelkater in den Schultern haben werde. Der Anstieg ist so steil, dass für mich nach 20km an laufen nicht zu denken ist. Mit den Stöcken schiebe ich mich nach oben.

Wieder auf ebenerer Strecke angekommen dann die nächste Überraschung. Ich klappe die Stöcke zusammen und möchte loslaufen. Autsch … meiner Achilles-Sehne scheint das Speed-Hiking nicht gefallen zu haben. Also nehme ich Tempo raus und jogge locker die Forststraße entlang bis sich mein Geläuf wieder erholt hat.

Danach die nächste Überraschung – der Wanderweg wurde wohl als Wanderautbahn geplant. Ich laufe eine weitere Forststraße entlang. Mindestens 1,5km geradeaus und bergauf. Uff, das war langweilig.

So langsam bemerke ich, dass ich mein Zeitziel kaum einhalten kann. Geistig streiche ich die Viertelumrundung des Ochsenkopf und nehme mir vor direkt den M-Weg hochzulaufen und nicht von Fleckl aus. Allerdings muss ich dazu erst mal hinkommen.

Die Wanderwegweiser sind auch keine große Hilfe – in der Hitze hab ich vergessen, dass ich den Weg verlassen werde. Darum bin ich geschockt als plötzlich bei 28km noch 10km zum Gipfel angeschlagen werden.

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Dennoch – das Zeitziel ist vereinbart, da führt kein Weg dran vorbei. Also laufe ich weiter und freue mich, als ich doch schneller als gedacht in Grassemann ankomme. Von da aus sind es maximal noch 2km bis zum Gipfel.

Ich habe aber wohl vergessen welche. Der Weg geht ziemlich steil nach oben und nach ein paar Metern wird es zum Trail. 1,5km zum Gipfel. Aus dem Trail wird aber schnell ein steiler steiniger Pfad. An Laufen ist mit meinen Oberschenkeln nicht zu denken. Wo es geht gehe ich so zügig wie möglich, die riesen Schritte über die Steinblöcke gehen aber kräftig in die Beine, die Arme sind dank der Stöcke auch Quark und am Daumen hab ich Blasen von der ungewohnten Handhaltung.

Na schöner Quark – alle 10-20 Meter muss ich stehenbleiben. Mir wird schwummrig … dazu passt, dass ich alles ausgetrunken habe. Also so schnell wie möglich weiter – war nur keine gute Idee. Nachdem ich meinen Mageninhalt überredet habe, mit mir gar aufzusteigen, setze ich zum End… ähm … naja Spurt nicht… zum End-Gang auf.

Nachdem der Weg aus dem Wald kommt, ist er auch wieder laufbar. Allein für die vielen Leute, die mit dem Lift hochgefahren sind, lasse ich mir die Show nicht nehmen die letzten 200 Meter bis nach oben zu laufen.

Uff – totaler Zeitverzug, aber ein alkoholfreies Weizen sowie ein Not-Eis müssen sein. Während ich mich stärke gucke ich auf mein Handy und sehe, dass ich fast zu spät dran bin. Ich möchte gerade meine Frau anrufen um ihr zu sagen, ich fahre mit dem Sessellift runter, sie soll mich doch wo anders holen … ist das Mistding leer. Prima.

Das Schicksal hat mich quasi überzeugt, die 2km abwärts kriege ich dank Stärkung doch irgendwie hin. Wie beim Aufstieg geht es auch abwärts Richtung Bischofsgrün über große Kanten. Allerdings gibt es Zwischendurch ein paar Bereiche in denen man wirklich laufen kann. Trailrunner sieht man hier allerdings wohl selten, wie mir die Blicke der Umgebung verraten.

Nach 36km und 960HM Aufstieg (lt. barometrischen Höhenmesser … leider keine 1.000HM wie im Internet errechnet) komme ich am vereinbarten Treffpunkt an. Mir tut einfach alles weh, ich hab einen mächtigen Durst und freue mich auf die Zielverpflegung bei meinen Eltern.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen und einem Mittagsschläfchen wechselte ich in den Garten und hab den halben Tag liegend verbracht. Harte Nummer.

Eines ist klar, der ZUT wird alles andere als ein Spaziergang – aber immerhin kann ich teilweise erahnen was kommen wird. Ich muss nur die gleiche Strecke absolvieren … dabei allerdings doppelt so viele Höhenmeter. HILFE!!!!

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4 Comments

  1. Und wieder mal eine komplett bekloppte Aktion! Aber durchaus cool! Sehr cool!
    Ich liebe es auch, in voller Trailausrüstung durch die Innenstadt zu laufen. Gut, die ist ein Stück kleiner hier, aber trotzdem.
    Sehr schön geschrieben. Danke fürs Mitnehmen!

    • Mein Vorteil war, dass es früher Morgen war. Ich habe maximal 3-4 Leute gesehen … und das waren Renter die mich sicher auch mit normaler Klamotte für Bekloppt gehalten hätten.

      Viel interessanter war die „Bergankunft“. Die ganzen Leute die mit dem Sessellift hochgefahren sind hielten mich wohl für ein Alien :-)

  2. Prima gelitten! So muss ein Testlauf sein, jetzt weißt du was in etwa auf dich zukommen könnte. Vor allem aber weißt du dass du es schaffen kannst. Denk an dem VPs daran zu trinken und deine Flaschen aufzufüllen dann läufst du auch nicht leer.

  3. Pingback: I have a dream - der Rund um Bayreuth Ultramarathon | Endurange

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